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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Gehirn.

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Diese wirken aber nicht blos auf den Olfactorros, sondern auch auf denTrigeminus, indem sie sehr heftige Gefühlsempfindungen und Reflexevom letzteren aus auslösen. Wenn also das Thier sich davon abwendete,so beweist dies nicht, dass ihm noch Empfindungen vom Olfactorius zu-kamen. Ueber Geschmacksempfindungen existiren keine Versuche, dieein sicheres Resultat ergeben haben. Auf die Bewegungen äussert dieAbtragung der Hemisphären des Grossgehirns je nach der Art des Thiereseinen verschiedenen Einfluss. Wir haben Frösche ohne Hemisphären desGrossgehirns sich ebenso bewegen gesehen wie andere. Wir haben beimHuhne Aehnliches gesehen. Menschen dagegen werden oft in Folge ver-nältnissmässig unbedeutender Verletzungen einer Hemisphäre hemiplektisch,und zwar stets so, dass die gelähmte Seite diejenige ist, auf welcher sichdie gesunde Hemisphäre befindet. Wir werden später noch sehen, welchePartie der grauen Hirnrinde bei diesen Hemiplegien die Hauptrollespielt. Ausserdem, macht nach Meynert Zerstörung des Linsenkernsimmer und unter allen Umständen hemiplektisch, und wir werden spätersehen, dass dies nicht nur in Meyncrt's aus anatomischen Thatsachengeschöpften Anschauungen und in seinen Leichenbefunden, sondern auchin den von Nothnagel an Thieren angestellten Versuchen seine Be-gründung findet.

Die Intelligenz, von der wir gesehen haben, dass sie herabgedrücktist, wenn beide Hemisphären verkümmert sind, kann merkwürdiger Weiseerhalten sein, wenn auch eine Hemisphäre in hohem Grade verkümmert ist.

In einem Pariser Krankenhause befand sich, nach der Erzählunglongct's, eine Kranke, die dort lange Zeit verpflegt wurde und demganzen Personale als sehr intelligent bekannt war. Sie war unvoll-kommen gelähmt an der linken Seite und bei ihrem Tode fand man dierechte Hemisphäre nur halb so gross als die linke. In einem anderenRrankenhausc starb Vaquerie, ein Mensch von gewöhnlicher Intelli-genz, er war hemiplektisch von Geburt an gewesen. Die rechte Hemi-sphäre fehlte, wie es im Obductionsberichte heisst, und der Raum warmit Flüssigkeit ausgefüllt. Ein sehr merkwürdiger Fall ist in Dalmatienvon Dr. Kratter beobachtet worden. Ein Morlack aus dem Narenta-Districto, Ivan Mussulin, erhielt in einem Raufhandel einen Schlagmit einem Steine auf das Scheitelbein. Er stürzte nieder, stand aberwieder auf und erholte sich so schnell, dass er nach zwei Stundenauf die Prätur ging und selbst seine Klage einbrachte. Er wurde ver-bunden und befand sich zwanzig Tage lang ziemlich wohl, so dass erseinen gewöhnlichen Hantirungen und auch dem Boccespiele nachging.Er war immer guter Laune und vollkommen bei sich. Am 21. Tageging er noch mit hinaus zum Boccespiele, fühlte sich aber nicht wohlund wollte nicht mitspielen, äusserte indess noch seine Meinung über dieArt und Weise, wie die Kugeln fielen. Er war also zu dieser Zeit nochim Besitze seiner Intelligenz. Beim Nachhausegehen stürzte er niedermit dem Ausrufe: „Es ist mir übel!" und war in wenigen Minuten todt.Nach achtzehn Stunden wurde die Obduction von Dr. Kratter gemacht.Sie ergab, dass die Lamina vitrea des Scheitelbeines sternförmig zer-splittert und die Splitter durch die Dura mater eingedrungen waren. Dieganze linke Hemisphäre war nach Dr. Krattcr's mündlicher Mittheilungm eine eiterige, mit Blutstreifen durchzogene Masse verwandelt, in der