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Nerven.
graue Flocken von Gehirnsubstanz schwammen. Wir werden später sehen,dass, wenigstens so lange er ging und so lange er die Arme willkürlichbewegte, gewisse Theile der Hemisphäre noch functionsfähig gewesensein müssen.
Auch die Folgen und die Tödtlichkeit der Gehirn Verletzungen werdenmeistens in hohem Grade überschätzt. Der alte Anatom Carpi zog einemKnaben einen Nagel aus der Stirn heraus, der drei Querfmger tief ein-gedrungen war. Nichtsdestoweniger behielt derselbe seine Intelligenz. Erwurde vollkommen geheilt und gelangte, wie erzählt wird, später nochzu hohen Würden. Ein anderer merkwürdiger Fall ist in neuerer Zeitvon einem amerikanischen Arzte, Dr. Halsted, im medicinischen Journalvon Boston beschrieben worden. Ein siebzehnjähriger, kräftiger Jünglingwurde durch einen Theil seiner Flinte, der absprang, an der Stirn ge-troffen. Derselbe durchbohrte das Stirnbein und drang 4'/. 2 Zoll weitin die Gehirnhemisphäre vor. Nach der Verwundung verlor der jungeMann keineswegs das Bewusstscin. Er sank nur auf Hände und Knienieder und hörte durch einige Zeit einen anhaltenden Ton. Nach wenigenAugenblicken hatte er sich bereits wieder so weit erholt, dass er imStande war aufzustehen, das Eisen aus der Stirne zu ziehen und siehdas Blut abzuwischen. Hierauf hielt er sein Gesieht längere Zeit ineinen Teich und hatte endlich noch Kraft genug, sein Pferd zu besteigenund bis zu dem nächsten, eine englische Meile entfernten Hause zu reiten,wo er halb bewusstlos ankam. Die eingedrungenen Knochensplitter-wurdenextrahirt, die Wunde vernäht, und nach 2 '/ 2 Monaten war der Krankewieder völlig hergestellt.
Den allerauffälligstcn Fall theilt Longet (nach (Jucsnay: Bemar-ques sur les plaies de cerveau) mit. Einem italienischen Lakaien fiel einStein auf den Kopf und schlug ihm ein Scheitelbein ein, so dass beim erstenVerbände ein Theil der hervorgequollenen Gehirnsubstanz abgetragenwerden musste, was sich später bei Erneuerung desselben noch wieder-holte. Am 18. Tage fiel er aus dem Bette, und dabei trat wieder Ge-hirnsubstanz heraus, die abgetragen werden musste. Am 35. Tage betranker sich, riss den Verband und mit der Hand die hervorgequollene Ge-hirnsubstanz weg. Der behandelnde Arzt bemerkt, dass der Theil, welcherin der Wunde vorlag, schon nahe am Corpus callosum sein musste. Dennochkam der Mensch mit dem Leben davon. Er blieb hemiplektisch, behieltaber seine Intelligenz.
Ueberhaupt ist bei theilweiser Zerstörung einer Hemisphäre keines-wegs die gewöhnlichste Folge Verlust der Intelligenz, sondern Hemiplegieund epileptische Anfälle. Epileptische Anfälle bringt Meynert mit De-generationen im Ammonshorne in Zusammenhang.
Auch fremde Körper können im Gehirne einheilen und lange Zeitdarin aufbewahrt werden. Th. Simon fand in der linken Grosshirn-hemisphäre einer 79jährigen Frau eine stellenweise incrustirte Nadel.welche mit ihrer Spitze bis unter das Ependym des linken Seitcnvcn-trikels reichte. Er hält es für höchst wahrscheinlich, dass diese Nadelihr in frühester Kindheit in den Schädel gestossen worden sei.
Früher hatte man vergebens gesucht, die Beziehungen der Hemi-sphären des grossen Gehirns zu den willkürlichen Bewegungen auf experi-mentellem Wege näher zu erforschen. Dies ist erst in neuerer Zeit