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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Gehirn.

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schenkeis abhängig. Je massenhafter der Fugs_ des Hirnsehenkels ist, umso höher ist auch die Brücke. Die Pyramiden endlich sind eine Fort-setzung der Fasern des Fusses des Hirnschenkcls: sie sind also um sostärker, je grösser die Masse des Hirnschenkels, also auch je massenhafterdie Hemisphären sind. Beim Menschen drängen sie deshalb die Olivennach den Seiten hin, indem sich ihre Masse in der Mitte entwickelt.Bei den Säugethieren dagegen sind sie dünner, so dass die Oliven hinterden Pyramiden liegen, und da sie schmäler sind, so kommt jederseits vonden darunter liegenden Querfasern noch eine Partie zum Vorschein, derman den Namen des Corpus trapezoides gegeben hat.

Es fragt sich nun weiter, welche Veränderungen bei Thieren ein-treten, wenn man die Hemisphären des grossen Gehirns, im engeren Sinnedes Wortes, abträgt? Niedere Wirbelthiere sind zu Beobachtungen hierüberwenig geeignet, da sich bei ihnen der Verlust des Gehirns zu wenig inäusseren Erscheinungen ausprägt. Ein enthirnter Frosch verhält sich, wiewir schon gesehen haben, Reizen und Eindrücken gegenüber, einem un-versehrten sehr ähnlich. Erwachsene Säugethiere sind zu diesen Ver-suchen auch nicht geeignet, weil sie zu rasch zu Grunde gehen. JungeSäugethiere ertragen die Operation besser, aber sie überleben sie dochnur einige Stunden. Dagegen kann man die Hemisphären des Grosshirnsjunger Vögel, Hühner, Tauben, abtragen und sie dann noch unbestimmteZeit am Leben erhalten.

Die erste auffallende Erscheinung, die man bei der Operationwahrnimmt, ist die, dass die Thiere zwar Schmerz äussern, so lange manin den weichen und harten Schädeldecken schneidet, dass sie aberbeim Einstechen in das Gehirn, ja bei der schichtweisen Abtragung dergrossen Hemisphären sich vollkommen ruhig verhalten. Wenn das Huhnsich von der Operation einigermassen erholt hat, so ist es doch, na-mentlich in der ersten Zeit, schlafsüchtiger als ein Huhn, welches imBesitze seiner Hemisphären ist. Es sitzt den grössten Theil des Tagesruhig da, den Kopf unter einen Flügel gesteckt. Wenn es aufgeschrecktwird, läuft es umher, aber sein Gang hat, namentlich in der erstenZeit, etwas Unbeholfenes, und es weicht Hindernissen nicht in der Weiseaus wie ein normales Huhn. Steht ihm ein Hinderniss im Wege, sorennt es ganz nahe an dasselbe heran und macht eine plötzliche Wendung,um ihm auszuweichen. Anfangs muss den Thieren das Futter eingestopftwerden, wenn sie am Leben erhalten werden sollen; später aber kannman sie dahin bringen, dass sie wieder selbst fressen, wenn sie diesauch nicht mit solcher Geschicklichkeit thun wie andere Thiere. Manmuss ihnen das Futter immer sehr reichlich hinwerfen, dann stossen siedazwischen herum und bringen so viel in sich hinein, als zu ihrer Er-nährung nothwendig ist.

Auffallend ist die Herabsetzung der moralischen Eigenschaften einessolchen Thieres. Es verliert seine Initiative. Während es keine Zeichenton Furcht gibt, mangelt ihm andererseits das, was wir Muth und Ent-schlossenheit nennen. Es mangelt ihm z. B. der Entschluss, auch voneiner ganz massigen Höhe herabzuflattern. Ein normales Huhn würdesich nicht wie ein Falke auf der Hand herumtragen lassen, es würdesofort herabfliegen. Das operirte Huhn aber bleibt ruhig sitzen, undwenn man es reizt, kneipt, bewegt es sich hin und her, schlägt mit