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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Elektrische Fische.

Nähe der Flossen. An der Rückenseite des Thieres kann man alsoschwächere Ströme erhalten, welche von einem der Axe nähergelegenenzu einem dem Rande nähergelegenen Punkte verlaufen, und an derBauchseite kann man Ströme erhalten von einem dem Rande nähergele-genen Theile des Organs zu einem Theile desselben, der der Axe desKörpers näher liegt. Die europäischen Zitterrochen sind kleinere undschwächere Thiere als die Zitteraale und die Zitterwelse, aber an derWestküste von Nordamerika kommt ein riesiger Zitterroche vor, Torpedooccidentalis, von dem ein Exemplar von 127 cm -Länge und 91 cm -Breitemit Sicherheit bekannt ist und der angeblich bis 152 cra - lang werdensoll. Diese Art hat jederseits über tausend elektrische Säulen.

An jedem einzelnen Elemente eines elektrischen Organs sind nachBabuchin zwei verschiedene Theile zu unterscheiden, von denen er deneinen den nervösen, den andern den metasarcoblastischen nennt. Babuchinhat nämlich die merkwürdige Entdeckung gemacht, dass sich jedes Ele-ment embryonal entwickelt wie ein Stück quergestreiften Muskels, dasmit einem Nervenende in Verbindung steht. Das, was sich dann durchMetamorphose der muskelartigen Anlage entwickelt, ist der metasarco-blastische Theil.

Wenn es uns nun in Erstaunen setzen muss, dass durch die Impulse,die von einem Nerven ausgehen, ein anseheinend ganz harmloses Organin eine kräftig wirkende elektrische Batterie verwandelt werden kann, soist dies im Grunde doch nicht wunderbarer, als dass durch ähnlicheImpulse in einem Muskel eine solche Veränderung eintreten kann, dasser plötzlich einer ganz neuen Gleichgewichtsfigur zustrebt, und dass durchähnliche Impulse in einer Drüse eine solche Veränderung eintreten kann,dass sie plötzlich aus der umgebenden Gewebsflüssigkeit und aus demBlute eine grosse Menge von Flüssigkeit aufnimmt und ein Seeret abzu-sondern anfängt, endlich dass durch solche Impulse eine Bewegung gehin-dert werden kann, welche sonst auf alle Fälle ausgelöst worden wäre.Das, was an diesen Erscheinungen durchaus nicht in den Kreis unsererVorstellungen hineinpasst, ist, dass die Fische sich nicht selbst erschlagen.Denn da der elektrische Strom bekanntermassen in allen Abschnitten de?Stromkreises mit gleicher Gesammtstärke circulirt, so muss er auch mitdieser selben Gesammtstärke durch den Fisch, der ihn hervorbringt,durchgehen. Es fragt sich also: warum werden die elektrischen Fischevon diesen Strömen nicht beschädigt? Die Antwort darauf hat du Boisan seinen Zitterwelsen gefunden. Sie lautet einfach: Die elektrischenFische sind gegen elektrische Schläge in ganz ausserordentlicher Weiseunempfindlich. Du Bois machte, um dies zu erweisen, folgenden ein-fachen Versuch, den er oft wiederholt hat. Er setzte in das Wasser, indem seine Zitterwelse sich befanden, gewöhnliche Flussfische und ausser-dem Frösche. Nun senkte er von beiden Seiten die Elektroden eineskräftig wirkenden Inductionsapparates in das Wasser hinein und HessSchläge desselben hindurchgehen. Die Flussfische verfielen in Tetanus,wendeten sich um und gingen nach kurzer Zeit zu Grunde. Aehnlich ver-hielten sich auch die Frösche. Die Zitterwelse aber schwammen zwischenden Sterbenden ganz munter herum, und man merkte ihnen nichts Anderesan, als dass sie sich, wenn sie^in die Nähe der Elektroden kamen, vondenselben abwendeten, dass sie umkehrten und sich ruhig weiter ent-