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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Elektrische Fische.

nerven eines Krebses und die eines Wirbelthieres mit einander vergleicht,so findet man einen sehr auffallenden Unterschied. Bei den Wirbel-thieren verlaufen die Muskclnerven einfach und ungetheilt im Stamme,und erst wenn sie in den Muskel eingetreten sind, verzweigen sie sichdichotomisch und bilden dann ihre Endplattcn. Es wird in den Stämmenzu den einzelnen Muskeln eine verhältnissmässig grosse Anzahl von Nervengeschickt. Betrachtet man dagegen die motorischen Nerven eines Krebses,so findet man, dass sich die einzelnen Fasern förmlich baumartig verzweigen,und dass, nachdem sie eine grosse Menge von dichotomischen Theilungeneingegangen, sie zu den Muskelfasern hintreten und ihre Endplattcn bilden.Das hängt offenbar mit der Verschiedenheit in dem Baue der Wirbel-thiere einerseits und der Gliederthicre andererseits zusammen. Die Krebsemit ihrem äusseren Skelet und ihren vielen Charniergclenken können ohne-hin nicht so zahlreiche Bewegungen ausführen, brauchen ohnehin keinensolchen Grad von Isolation in der Zusammenziehung der einzelnen PartieniBrer Muskeln, als dies bei den Wirbelthieren der Fall ist, und könnensich deshalb mit einer geringeren Anzahl von Nervenfasern für ihre Muskelnbegnügen, wenn diese sich hinreichend verzweigen, um alle Muskelfasernmit Endplatten zu versorgen. Johannes Gad hat durch Versuche gezeigt,dass man nur dann die volle Muskelcontraction erzielt, wenn man alleEndplatten erregt, d. h. wenn man alle Nerven reizt, die zu dem Muskelgehen. Erhält ein Muskel Nervenbündel aus zwei verschiedenen Wurzeln,und man reizt erst die eine, dann die andere, so erlangt er nur solcheSpannungen, dass die Summe derselben der Spannung gleich ist, welcheer erlangt haben würde, wenn man beide gleichzeitig gereizt hätte. Auchermüdet man durch wiederholte Beizung von einer Wurzel aus den Muskelnur für diese, nicht auch für die andere.

Elektrische Organe und ihre Nerven.

Von den Zitterfischen kennt man erstens den Zitteraal, Gymnotus,zweitens die verschiedenen Arten des Zittcrwelses, Malapterurus, unddrittens die Zitterrochen. Von den Zitterrochen kennt man eine Beihevon Genera, nämlich Narce, Narcine, Temera, Astrape, Diseopyge,Torpedo. Ausserdem kommen beim Genus Gymnarchus und beimGenus Mormyrus ähnliche Organe vor. Von Mormyrus hat Babuohinbereits deutliche elektrische Wirkungen erhalten. Ebensolche hat Fritschin neuerer Zeit an Gymnarchus wahrgenommen. Ferner zeigen auchdie eigentlichen Kochen Baja und Myliobates Organe, welche man nachdu Bois-Beymond und Fritsch als unvollkommene elektrische Organebezeichnet. Ihre nahe Verwandtschaft mit denen der Zitterfische lässtsieh nicht verkennen, aber sie weichen in ihrer Structur doch wesentlichvon denselben ab.

Die elektrischen Organe sind im Zustande der Buhe wirkungslos,werden aber plötzlich durch Erregung der zu ihnen gehenden Nerven inkräftig wirkende elektrische Batterien verwandelt. Die elektrischen Ströme,die sie dann geben, unterscheiden sich in nichts von den Strömen, dieman durch physikalische Hilfsmittel hervorruft. Man hat von diesenStrömen Funken erhalten, man hat mit ihnen chemische Zersetzungenvorgenommen, man hat die Magnetnadel abgelenkt, man hat Stahlnadeln