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2 (1884) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Motorische Nerven.

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jetzt kein bestimmtes Gesetz herausgestellt, nach dem man im Vorhineinaus der chemischen Constitution einer Substanz bestimmen könnte, ob sieeinen Heiz für die motorischen Nerven abgeben werde oder nicht. Eswirken als Reize im Allgemeinen die concentrirten Mineralsäuren. Beiden Alkalien wirken Kali und Natron als Reizmittel, dagegen zeigt sichAmmoniak, auf den Nerven applicirt, unwirksam, obschon es ihn örtlichsogleich tödtet. Chlornatrium und concentrirte Chlorcalciumlösung undFalpetersaures Silberoxyd zeigen sich wirksam, während eine Reihe vonSalzen anderer schwerer Metalle sich als unwirksam erwiesen hat. Ausser-dem haben sich Carbolsäure, Alkohol, concentrirtes Glycerin, Galle, gallen-saures Natron, d. h. die Verbindungen von Natron mit den beiden Gallen -säuren, der Glycochol- und Taurocholsäure, als wirksam bewährt.

Da nicht alle Substanzen, die den Nerven chemisch reizen, auchden Muskel reizen, und umgekehrt Substanzen, die den Muskel chemischreizen, sich unwirksam gegenüber den Nerven bewiesen haben; so hatKühne seinerzeit die Verschiedenheit benützt, um den Beweis für d^eigene Erregbarkeit, für die Irritabilität der Muskelsubstanz herzustellen.Dazu diente ihm in erster Reihe das Ammoniak. Er stellte folgendenVersuch an. Er brachte auf einem Gestell einen kleinen Metallschirm miteinem Loche an, durch das er den Nerven eines Gastrocnemius hindurch-zog. Diesen Nerven legte er auf eine kleine Schale und brachte ihn mitAmmoniak in Berührung, ohne dass die Dämpfe des Ammoniaks an denMuskel herankommen konnten, da der Muskel durch den Schirm geschütztwar. Es zeigte sich, dass es nicht' möglich war, vom Nerven aus eineZusammenziehung des Muskels mittelst Ammoniak hervorzurufen. Wenner dagegen eine offene Ammoniakflasche hinstellte und darüber den Muskelaufhing, so fing der Muskel zu zucken an und gerieth in immer leb-hafter werdende Bewegungen in Folge der Erregung, welche das auf dieMuskelsubstanz wirkende Ammoniak hervorbrachte.

Blicken wir noch einmal auf die Reize für die motorischen Nervenund ihre Wirkungen im Allgemeinen zurück, so müssen wir sagen, dasseine Veränderung, die entweder durch den elektrischen Strom, oder durchmechanische, thermische, chemische Reize erzeugt wird, sich den Nervenentlang fortpflanzt, bis sie endlich zu den Nervenendplatten gelangt, unddass sie von diesen aus diejenigen Muskelfasern jedesmal in Zusammen-ziehung versetzt, deren contractiler Substanz die betreffende Nervenond-plattc aufliegt. Es gilt hiebei, soweit nicht die elektrischen Stromschwan-kungen in Betracht kommen, von denen wir früher gesprochen, durchwegdas Gesetz der isolirten Leitung, d. h. es wird eine Erregung aus einerNervenfaser niemals auf eine andere übertragen, sondern sie folgt immerden dichotomischen Verzweigungen dieser Nervenfaser und erzeugt des-halb auch nur Contractionen in denjenigen Muskelfasern, zu welchendiese Nervenfaser Endplatten gibt. Je grösser also die Menge der Ncrven-fesern ist, welche vom Ccntralorganc kommen, um so grösser ist das Ver-mögen der Isolation, um so mehr können einzelne Muskelparticn in Zu-sammenziehung versetzt werden. Wo aber ein solcher höherer Grad vonIsolation nicht nothwendig ist, da kann auch eine verhältnissmässig geringeAnzahl von Nervenfasern grössere Muskelparticn versorgen, indem die ein-zelnen Fasern sieh dichotomisch verzweigen und endlich eine grosse An-2 ahl von Muskelfasern mit Endplatten versorgen. Wenn man die Muskel-

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