Das Sehen und die Farben.
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wir mit dorn Namen Türkisenblau bezeichnet haben. Dagegen ist dasjenigeBlau, welches wir als Ultramarin bezeichnet haben, dem eigentlichen Gelbcomplementär, dem Gelb von der Linie D, das repräsentirt wird durchdas Chromgelb, das doppelt chromsaurc Bleioxyd. Das Complement desViolett ist ein Gelbgrün, das wir mit dem Namen des Citronengelb zubezeichnen pflegen, weil es die Farbe einer noch nicht ganz reifen Citronehat. Wenn wir in correcter "Weise die verschiedenen Complemente neben-einander schreiben wollen, so haben wir: Roth und Blaugrün, Orange undTürkisenblau, Gelb und Ultramarin, Gelbgrün und Violett, Grün und Purpur,dann wieder Blaugrün und Roth und so fort.
Diese einzelnen Farben des Farbenkreises können nicht nur durchmonochromatisches Licht hervorgebracht werden. Wie der Eindruck desPurpur immer durch gemischtes Licht erzeugt wird, so können auch dieübrigen Farben durch gemischtos Licht hervorgerufen werden. Ja, manbraucht nur eine Farbe aus dem Spectrum wegzunehmen, so geben alleübrigen zusammen das Complement zu dieser Farbe. Daher rührt ebender Name Complementfarben, weil sie Farben sind, die entstehen, wennman weisses Licht in irgend welche zwei Theile theilt, so dass der eineTheil die Ergänzung zum andern gibt.
Die Complementfarben haben nun sehr interessante Eigenschaften.Sie haben die Eigenschaft, dass, wenn sie nebeneinandergesetzt werden, sieihren Eindruck erhöhen, so dass sie also die glänzendsten Farbenzusammen-stellungen geben, z. B. Gelb und Blau, Grün und Purpur u. s. w. Siehaben aber auch die Eigenschaft, dass, wenn dem Auge nur eine Farbe dar-geboten wird, diese auf subjeetivem Wege ihr Complement, die zweiteFarbe, hervorruft. Chevreuil erzählt, dass zu ihm Händler mit ge-musterten Stoffen kamen und sich über die Fabrikanten beklagten: siehätten ihnen Stoffe hingegeben, damit sie schwarze Muster daraufdruckten,sie hätten ihnen aber auf einen rothen Stoff ein grünes und auf einenblauen Stoff ein gelbliches Muster aufgedruckt. Chevreuil erkannte so-fort, dass dies auf einer Täuschung beruhe. Er pauste daher das Musterdurch, schnitt es ä jour in Papier aus und bedeckte dann mit dem Papierden farbigen Grund, so dass nur das Muster allein zu sehen war, und dazeigte es sich sofort, dass die Druckfarbe schwarz gewesen, und dass derSchein des Farbigen nur durch den farbigen Grand hervorgerufen wordenwar. Die Farben, die auf diese Weise subjeetiv hervorgerufen werden,bezeichnet man mit dem Namen der Farben durch simultanen Contrast.
Es gibt eine Reihe verschiedener Versuche, durch welche man dieseFarben zur Anschauung bringen kann. Am besten gelingt dies durch dieSpiegelversuche, wie sie zuerst Fechner und Dove in grösserer Auswahlangegeben haben. Eine Form, in der sich ein solcher Spiegelversuch sehrgut anstellen lässt, ist von Ragona Scina beschrieben. Sie besteht darin,dass man zwei Papierblätter, deren jedes einen schwarzen Ring trägt,rechtwinklig gegeneinander aufstellt und nun eine grüne Glastafel dia-gonal zwischen diese beiden Papiere so stellt, dass man das eine Papierdurch dieselbe dioptrisch, das andere katoptrisch sieht. Dann fällt in dasAuge grünes Licht, das wir dioptrisch, und weisses Licht, das wir katop-trisch sehen, das gespiegelt wird. An der Stelle, wo sich der schwarzeRing befindet, fällt im dioptrisch gesehenen Papier der Eindruck desGrünen aus, im katoptrisch gesehenen an der entsprechenden Stelle der