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Das Seilen unrl die Farben.
phantastischen Gesichtserscheinungen, die am häufigsten am Abend vor demEinschlafen auftreten. Man hat bei ihnen das entschiedene Gefühl desSehens, das sich wesentlich unterscheidet vom blossen Vorstellen. Oft istdies Gefühl so mächtig, dass die Erscheinung für eine reelle, eine pbjeetivegehalten wird. Dies ist die Regel bei Irren und bei Fieberkranken, dievon solchen Hallucinationcn befallen werden. Aber auch bei Menschen,die übrigens gesunden Geistes und bei vollem Bewusstscin sind, könnenPhantasmen zu wirklichen Täuschungen Veranlassung geben. Joh. Müllerhat über diese phantastischen Gesichtserscheinungen ein lehrreiches undgeistvolles Buch geschrieben, in dem solche Beispiele verzeichnet sind.
Der gewöhnlichste äussere Beiz ist das Licht. Das Licht wirktentweder als weisses Licht auf das Auge ein, oder als farbiges. Dasgewöhnliche Sonnenlicht ist aus einer ganzen Reihe von Farben zusam-mengesetzt, die, wenn sie alle miteinander auf die Netzhaut wirken, denEindruck von Weiss erzeugen. "Wenn aber nur eine dieser Farben aufdie Netzhaut einwirkt, so entsteht ein farbiger Eindruck, wolchor je nachder Wellenlänge des Lichtes verschieden ist. Die grösste Wellenlängeder sichtbaren Strahlen macht den Eindruck von Roth, dann kommt Orange,dann bei weiter abnehmender Wellenlänge Gelb. Der Eindruck von Gelbtritt ein da, wo sich die Fraunhofer'sehen Linien D befinden, die Natron-linicn, die jetzt durch die spectroskopischen Untersuchungen so allgemeinbekannt geworden sind. Dann kommen Gelbgrün, Grün, Blaugrün undbei F Blau. Dieses Blau bei F ist sogenanntes Türkiscnblau, das heisstein Blau, welches dem Grün noch einigermassen nahe steht. Man be-zeichnet es auch als Cyanblau, weil es durch Berlincrblau, also durchEisencyanidcyanür oder Ferrocyancisen dargestellt wird. Schreitet manweiter fort gegen G hin, so ändert das Blau seinen Ton und nimmt dieFarbe des Ultramarin und Indigo an, lind weiterhin geht es über in Violett,als dessen Hauptlinic die Fraunhofer'sehe Linie H bezeichnet werdenmuss. Jenseits H nimmt die Lichtintensität allmalig ab, und es kommendann bei J, M, N, O, P die sogenannten ultravioletten, schwach sicht-baren Strahlen, die als lavcndelgraue Strahlen bezeichnet werden. Ucberihre Färbung machen verschiedene Beobachter verschiedene Angaben, einigenerscheinen sie auch violett, anderen stahlblau, anderen lavendelgrau, nochanderen silbergrau.
Wir können die Farben in einen Kreis ordnen, und zwar so, dassje zwei einander gegenüberstehende mit einander, wenn sie gemischt werden,Weiss bilden. Gewöhnlich ordnet man die Farben so an, dass Roth undGrün, Blau und Orange, Gelb und Violett einander gegenüberstehen. Esmuss aber bemerkt werden, dass das Grün, welches dem spectralen Rothcomplementär ist, nicht das gewöhnliche Grasgrün ist, sondern ein Blau-grün. Dem eigentlichen Grasgrün ist eine Farbe complementär, welcheim Spectrum gar nicht vorkommt, nämlich Purpur, eine Farbe, welche wiruns entstanden denken können dadurch, dass wir das Spectrum zusammen-biegen und das rothe und violette Ende desselben übereinandcrfallen lassen.Man kann sich dieses Purpur künstlich aus zwei Spectren mischen. Wennman mittelst eines Doppelspathprismas zwei sich theilweise deckende Spcctraerzeugt, so dass das violette Ende des einen über das rothe des andernzu liegen kommt, dann erhält man als Mischfarbe Purpur. Auch demOrange ist nicht alles Blau complementär, sondern nur das Blau, welches
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