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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Das Sehen nnd die Farben.

punkte in die Thränenröhrchen, von diesen in den Thräncnsack, von diesemin den Tkräncnkanal und von da in die Nasen- und llaclicnhölile. DieTriebkraft für die Fortschaffung dieser Sccrote wird auf zweierlei Weiseaufgebracht. Erstens durch den Lidschlag, indem, wenn sich der Orbicu-laris palpebrarum zusammenzieht, ein Druck auf die Flüssigkeiten, die sichim Conjunctivalsacko befinden, ausgeübt wird. Die Lidspalte wird ge-schlossen, und durch den Zug und Druck, welchen der am Ligamentumcanthi interni befestigte Orbicularis palpebrarum an den Augenlidern aus-übt , wird die Flüssigkeit gegen die Thränonpunkte hin und in dieThränenpunktc hineingetrieben. Das zweite mechanische Moment für dieAbleitung der Thräncn ist, abgesehen von der Schwere, durch welche sienach unten ahflicssen, die Inspiration. Wenn man einathmet, sinkt derDruck nicht nur in den Lungen, sondern auch in der Nasenhöhle unterden atmosphärischen, denn nur dadurch wird es möglich, dass die atmo-sphärische Luft in die Nasenhöhle eindringt. Es wird also hiedureh eineTendenz der Thräncnflüssigkeit nach abwärts erzeugt. Der Ueberdruck,der bei der Exspiration in der Nasenhöhle stattfindet, und vermöge dessendie Luft aus der Nasenhöhle in die Atmosphäre getrieben wird, scheintganz oder grösstenteils durch Klappen aufgehoben zu sein. Man unter-scheidet im Ganzen sieben Klappen oder klappenartig vorspringende Schlcim-hautfalten: eine an der Mündung des Thränenkanals in die Nasenhöhle,welche als vorspringende Sehlcimhautfalte an der inneren Seite liegt undnach aussen und abwärts gerichtet ist; ferner eine an der Grenze zwischenThräncngang und Thräncnsack, eine an der Einmündung der Thränen-röhrchen in den Thräncnsack, zwei am Grunde der Ampullen, der trichter-förmigen Erweiterungen der Thräncnröhrchen, und zwei an den Ein-gängen, an den Thräncnpunktcn. Es ist schwierig, im Einzelnen zu ver-folgen, in wie weit diese klappenartigen Gebilde thatsächlich als Ventilewirken, und es finden sich in Bezug darauf auch gewiss individuelle Ver-schiedenheiten.

J. Gad bemerkt mit Recht, dass die Gcsammtmengo der für ge-wöhnlich in den Conjunctivalsack ergossenen Flüssigkeit nicht gross seinkann, da bisweilen die Ableitung ganz gestört ist, ohne dass Thräncn-träufoln eintritt. Vlacovitsch sah bei Neugeborenen die Nascnschleimhautden Thränengang ununterbrochen überziehen, und Vcrga sah dasselbe Ver-halten, wenigstens auf der einen Seite, bei fünf Kindern zwischen vier unddreizehn Jahren.

Bas Seilen und die Farben.

Was nennen wir sehen? Sehen nennen wir das Zumbewusstsein-kommen der Erregungszustände unseres N. opticus. Ja, wir können imAllgemeinen sagen: das Bewusstwerden der Zustände des N. opticus, dennwir sehen ja auch die Dunkelheit, wir empfinden, dass es dunkel ist, weilwir in der Dunkelheit unsern N. opticus im Zustande der Buhe empfinden.Ein Wesen, das keinen Sehnerven hätte, und dem auch die Theile desCentralorgans fehlten, durch welche uns die Gesichtsempfindungen zumBewusstsein kommen, würde auch die Dunkelheit nicht empfinden, sowenig wie wir urtheilen, dass es hinter uns dunkel sei, weil wir nachrückwärts keine Augen haben.