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Tastsinn und Gemein gefühl.
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den ersten Anblick zu beweisen, dass verschiedene Arten von Nervenuns die Tastempfindungen und die Schmerzcrnpfindungcn vermitteln. Mankann aber die Sache auch anders erklären. Man kann sie sich auch soerklären, dass zwar noch Eindrücke zum Gehirne fortgepflanzt werdenkönnen, dass aber diese Eindrücke im Ccntralorganc nicht mehr diejenigeHöhe erreichen können, um eben Sehmerzempfindungen zu veranlassen,und dass deswegen die betreffenden Individuen zwar noch fühlen, aberkeinen Schmerz empfinden. Man kann sich auch vorstellen, dass imGehirne, abgesondert von den Thoilen, in denen unsere Tastempfindungenausgebildet werden, eigene Gebilde vorhanden seien, deren Erregung unsSchmerz verursacht, und die ich als Schmerzcentra bezeichnen will. Sickönnten von den Tastnerven aus erregt werden, aber nur durch Reizevon einer gewissen Stärke, von einer grösseren Stärke, als sie nöthig ist,um Tastempfindungen zu erregen. Es würde für sie eine eigene Reiz-schwelle, die Schmcrzschwelle existiren, und sie würden vermöge diesergewissermassen als Wächter für die Integrität unseres Leibes aufgestelltsein, indem sie uns, sobald die Schmerzschwelle überschritten wird, zurAbwehr oder zur Flucht aufrufen. Denke ich mir nun, dass spcciclldiese Centra bei Vieusseux gelähmt waren, und dass das Chloroformdiese Centra zuerst lähmt, so begreift sich der anscheinend so räthselhaftoZustand. Diese Vorstellung würde, wie man leicht einsieht, auch mit derverschiedenen Erscheinungsweise, welche der Schmerz je nach der ver-schiedenen Art der Erregung annimmt, sehr wohl vereinbar sein. Wirsehen hier zugleich, dass wir wohl unterscheiden müssen zwischen derVerschiedenheit der Centra und der Verschiedenheit der Zuleitungsbahnen.Unsere jetzige Anschauung von den Sinnesempfindungen treibt uns dahin,für alle Empfindungen, die einmal als eigenartig erkannt sind, eigeneempfindende Gebilde im Centralorgane zu suchen; es sei denn, dass sieerklärt werden können aus der gleichzeitigen Erregung mehrerer Central-gebilde, deren Einzelerregung qualitativ verschiedene Empfindungen hervor-ruft. Aber es braucht nicht jedes Centralgcbilde eine eigene Bahn zuhaben, welche ihm von der Peripherie aus Erregungen zuführt. So nehmenwir hier an, dass für die Schmerzempfindung eigene Centra vorhandensind, dass denselben aber die Bahnen gemeinsam sind mit den Centren,welche uns die Tastempfindungen erzeugen.
Mehr Schwierigkeit bereiten die Fälle von sogenannter tactiler An-ästhesie, bei denen doch nach den Angaben der Beobachter durch kräftigetaetile Reize noch Schmerz hervorgebracht werden konnte. Waren dannauch vielleicht andere Nerven angegriffen als diejenigen, welche ebenvorher bei den leichteren Berührungen als roactionslos befunden wordenwaren ? Oder soll man sich vorstellen, dass das Centrum für die Empfin-dung der tactilen Eindrücke die Function versagte, aber nichtsdestowenigerdie Erregung bis zum Schmerzeentrum fortgepflanzt werden konnte?
Bei Berücksichtigung aller Bahnen, die Schmerzempfindungen aus-lösen können, kommen ferner noch andere als die der Tastnerven in Be-tracht. M. Blix und nach ihm Goldscheidcr bemerkten, dass gewissePunkte der Haut nur taetile Empfindungen haben, andere nur warmeKörper als warm, noch andere nur kalte Körper als kalt empfinden. Nachihnen sollen die beiden letzteren Arten von Punkten auf elektrische Reizemit ihrer eigenartigen Empfindung mit grösserer oder geringerer Deut-