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2 : S/S. 1886 (1887) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Accommodation.

Es fragt sich dabei, ob die Linse auch ihren Ort verändert. Umdies zu untersuchen, hat Hclmholtz ein eigenes Instrument eonslruiii,das Ophthalmometer, mit welchem er die Entfernung des Scheitels derCornea vom vorderen und hinteren Pole der Linse bestimmen konnte.Bei diesen Untersuchungen fand er, dass der hintere Pol der Linse seinenOrt nicht verändert, dass aber der vordere Pol etwas nach vorn nickt,dass also die Linse dicker wird.

Auf welche Weise kommt diese Formveränderung der Linse zuStande? Wir sehen, dass die Accommodation gelähmt wird, wenn dieMuskeln des inneren Auges gelähmt werden. Wir sehen erstens, dassdie Accommodation bei Oculomotoriuslähnrungcn aufgehoben ist; da sindaber auch die äusseren Augenmuskeln gelähmt. Dann sehen wir aberauch, dass, wenn wir einem Auge Atropin einträufeln, wodurch nur innereAugenmuskeln gelähmt werden, das Auge dauernd für seinen Eernpunkleingestellt wird. Wir haben also den Tensor chorioideae und die Muskel-fasern der Iris, zunächst den Sphinctcr pupillae, zu berücksichtigen. Wennder Tensor chorioideae sieh zusammenzieht, so verkleinert er eine Ober-fläche, die nach vorn durch die Hornhaut, nach hinten durch die Cho-rioidea und die in ihr liegende Itctina begrenzt ist. Er muss also dieChorioidea mit der in ihr liegenden Retina um den Glaskörper anspannen,beziehungsweise den Theil der Chorioidea, an den er sich zunächst in-serirt, nach vorn ziehen. Die Eolge davon ist, da dieser Theil an der ZonulaZinnii befestigt ist, dass auch die Zomila mit nach vorn gezogen wird, undsomit die Zonula Zinnii und specicll der Theil, der sich an die Linse ansetzt,der von den Ciliarfortsätzcn zur Linse geht, erschlafft wird. Dieser Theilaber hat früher einen peripherischen Zug an der Linse ausgeübt, der jetztnachlässt, so dass die Linse in eine andere Oleichgewichtsfigur übergeht,dass sie nach vom und hinten convexer und damit auch dicker wird.

Diese Aecommodationsthoorio ist in neuerer Zeit durch die Versuche,welche Hensen an Hunden und Katzen und auch an einem Affen an-gestellt hat, zur vollen Evidenz gebracht worden. Erstens hat er durchdirecte Eeizung der Ciliarnci'ven die Accommodation hervorgebracht. Zwei-tens hat er sich auch überzeugt, dass die ausgeschnittene Hundelinsc der-jenigen Gestalt entsprach, welche sie im Auge hat, wenn das Auge fürdie Nähe aecommodirt ist.

Damit, dass die Accommodation durch diese Formvoränderung derLinse hervorgebracht wird, hängt es auch zusammen, dass sie im Alterverloren geht. Die jugendliche Linse ist nachgiebig, verändert ihre Formsehr leicht, die alte Linse aber ist widerstandsfähiger, sie behält deshalb,es mag der Zug der Zonula an ihr ausgeübt werden oder nicht, ihreForm bei oder ändert sie doch nur wenig, und das ist der Zustand, denwir mit dem Namen der Presbyopie, des Gcsichtsfehlcrs der Alten, be-zeichnen. Presbyopie ist nicht Weit- oder Uebersichtigkcit, nicht derGegensatz von Kurzsichtigkeit, denn alte Leute können kurzsichtig seinund doch presbyopisch, indem ihr Auge ebenso stabil für eine geringeEntfernung eingestellt ist, wie das von Greisen, die in ihrer JugendNormalaugen gehabt haben, für die unendliche oder doch für eine sehrgrosse Entfernung eingestellt ist.

Fragen wir uns weiter, ob auch die Muskeln der Iris bei der Ac-commodation irgend eine Bolle spielen. Die Iris verengert sich, wie wir