Accommodiition.
191
früher gesehen haben, etwas bei der Accommodation für die Nähe. Wennder Sphincter und Dilatator pupillae sich gleichzeitig zusammenziehen, somüssen sie die Iris, wenn sie nicht in einer Ebene liegt, wenn sie einenabgestumpften Kegel bildet, in eine Ebene bringen. Man hat deshalb,indem man der Meinung war, dass die Iris nach vorne kegelförmig oderknppolförmig ausgebaucht sei, geglaubt, dass durch die gleichzeitige Con-Iriiclion des Sphincter und Dilatator pupillae ein Druck auf die Linse aus-geübt werde. Dadurch bilde sich au der vorderen Oberfläche der Linse undin der Pupille eine kleine Kuppe. In der That findet man in den Augenvon Leichen nicht selten Linsen, an denen eine solche Kuppe zu sehenist, so dass man glauben könnte, die Linse habe in der That hier oftmalseinen Druck auf einer ringförmigen Zone erlitten. Der verstorbene Pro-fessor v. Vivenot hat, als er als junger Mann hier im Institute arbeitete,viele Linsen in Gyps abgegossen, und an diesen Gypsabgüssen war aufQuerschnitten nicht selten diese kuppenartige Hervorragung an der vor-ilinn Fläche zu sehen. Andererseits muss man sich aber sagen, dasskeineswegs immer die Iris nach vorne vorgebaucht ist, sondern dass sienur kegelförmig vorgeschoben ist in gewissen Augen und bei bedeutenderVerengerung der Pupille, indem dann ihr Hand auf der convexen vorderenFläche der Linse nach vorne schleift. Zweitens muss man sich sagen, dassbei der Schwäche der Muskeln der Iris und bei dem geringen Wertheder Componente, welche bei der gleichzeitigen Zusammenziehung desSphincter und des Dilatator pupillae für unsern Druck zur Wirkung kommt,derselbe jedenfalls ein sehr geringer sein muss, so dass man ihm kaumeinen irgendwie in Betracht kommenden Einfluss auf die Gestalt der Linsezuschreiben kann.
Helmholtz hat duroh Rechnung gezeigt, dass die Gestaltveränderung,die die Linse bei der Accommodalion erleidet, hinreicht, um diejenige Ae-commodation hervorzubringen, welche sich bei dem betreffenden Individuumllialsächlich vorfinde!. Ks muss aber dennoch die Frage erörtert werden,ob es ausser der Gestalt und Lageveränderung der Linse noch andereAccomniodationsmittel gebe. Die Hornhaut haben wir schon besprochenund haben gesehen, dass wir mit dieser nicht aecommodiren. Es bleibtmir noch die Netzhaut übrig. Es fragt sich, ob die Netzhaut bei derAccommodation zurückrückt. Hierüber sind die Ansichten verschieden.Alle stimmen darin überein, dass Augen, aus denen die Linse beseitigtworden ist, wie dies bei der Staaroperation geschieht, nicht etwa blos ineiner Ebene deutlich sehen, sondern dass sie auch annäherungsweise ebensodeutlich in einer etwas geringeren oder grösseren Entfernung sehen. DieArt, wie dies erklärt wird, ist eine verschiedene. Die Einen führen esdarauf zurück, dass an und für sich schon nicht alle Strahlen, welchevon einem leuchtenden Punkte ausgehen, bei vollkommener Einstellungdes Auges wieder in einen Punkt der Netzhaut versammelt werden. Wennman zugleich in Betracht zieht, dass vermöge der im Auge angebrachtenWendung, der Pupille, die Lichtkegel, die auf die Netzhaut stossen, vor-luiltnissmässig kleine Winkel haben, so erhellt, dass nach der einen undder andern Seite hin der Durchmesser der Zerstreuungskreise anfangs«ehr langsam wächst. Die Individuen mögen es deshalb nicht bemerken,ob ein Gegenstand etwas diesseits oder jenseits der Ebene liegt, für welcheihr Auge eingestellt, ist. Sie mögen auch etwas diesseits und etwas jen-