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2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Glycerin und seine Derivate.

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W

Aethersäuren des Glycerins.

Als solche erscheinen nachstehende Glycerinderivate:

[OHGlycerinschwefelsäure: C 3 H 8 SO ß = 0 S H 5 OH

[oSOäOH

Färb- und geruchlose, sehr saure Flüssigkeit, die sehr leicht in Gly- Glycerin-

seil woi^l-

cerin und Schwefelsäure zerfällt, sich als starke Säure verhält und mit saure.Metallen die glycerinschwefelsauron Salze bildet. Dieselben enthalten1 Atom einwerthigen Metalls, die Säure ist mithin einbasisch. Auchdie Salze, alle in Wasser löslich, sind meist leicht zersetzbar.

Man erhält die Glycerinschwefelsäure durch Vennischen von Glycerin mitconcentrirter Schwefelsäure. Man verdünnt mit Wasser, sättigt mit kohlen-saurem Kalk, filtrirt und bringt das Kalksalz zur Krystallisation. Zur Gewin-nung der freien Säure wird die wässerige Lösung des Kalksalzes durch Oxal-säure zerlegt.

fOHGlycerinphosphorsäure: CoHgPO,; = C 3 H 5 |OH

(OPQ(OH) 2

Zähe syrupartige Masse von sehr saurem Geschmack. Zerfällt Giycerin-schon in gelinder Wärme in Glycerin und Phosphorsäure. Die Säure \™^. 1<n ~ist, wie sich schon aus ihrer Formel ergiebt, zweibasisch und liefertkrystallisirbare, in Wasser leicht lösliche Salze. Das Kalksalz ist dadurchausgezeichnet, dass es aus der kalt gesättigten Lösung beim Erhitzenin perlmutterglänzenden Blättchen herausfällt.

Glycerinphosphorsäure wird durch Einwirkung von Metaphosphor-säure auf Glycerin erhalten. In eigentümlichen, nur zum Theile ge-kannten Verbindungsformen ist sie im Eidotter, im Gehirn und Nerven-gewebe, in der Galle und in den Blutkörperchen enthalten. Ein nähergekanntes Glycerinphosphorsäurederivat ist das

Lecithin: C42H84NPO.). Undeutlich krystallinische, wachsähnliche Lecithin.Masse, leicht schmelzbar, in Wasser wie Stärke aufquellend, ohne sichdarin zu lösen, leicht löslich in Alkohol und Aether. Beim Erhitzenzersetzt es sich, fängt Feuer und hinterlässt phosphorsäurehaltige Kohle.Verbindet sich mit Platinchlorid und mit Säuren. Kocht man seineweingeistige Lösung für sich, besser aber noch mit Säuren oder mit Basen,so zerfällt es in Bilineurin (vergl. S. 241), Glycerinphosphor-säure und fette Säuren: Stearin-, Palmitin- und Oelsäure. Mankann demgemäss das Lecithin als das Bilineurinsalz einer Glycerin-phosphorsäure betrachten, in welcher 2 Atome extraradicalen (demAlkoholreste zugehörigen) Wasserstoffs durch die Kadicale fetter Säurensnbstituirt sind. Unter der Voraussetzung, dass die letzteren Palmitin-