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2 (1873) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Dreiwerthige Alkohole und ilire Derivate.

Pflaster,Gemengevon Blei-oxydsalzen' der fettenSäuren.

Kali- undNatron-seifen.

Ilarto undweiche,Kern- undSchmier-seifen.

Bereitungder Seifen.

AllgemeineEigenschaf-ten derSeifen.

ten gewesenen Säuren, welches etwas unzersetztes Fett enthält und inder Wärme weich und knetbar ist. Diesen Vorgang nennt man Pflaster-bildung und derartige Gemenge Pflaster (Bleipflaster, Emphstraplumbea).

Je nach der Anwendung von Kali und Natron zur Verseifung derFette unterscheidet man Kali- und Natron- oder Sodaseifen, jenach ihrer Consistenz harte und weiche, Kern- und Schmierseifen.

Die Natronseifen oder Kernseifen sind im Allgemeinen härterals die Kaliseifen oder Schmierseifen; die Seifen sind ferner in derRegel um so weicher, je mehr Ölsäure, um so härter, je mehr stearin-saure Alkalien sie enthalten. Die Natronseifen, die durch Aussalzen(s. unten) erhalten werden, die sogenannten Kernseifen, enthalten ne-ben den fettsauren Natriumsalzen nur noch Wasser, dessen Menge sehrwechselt. Die Kali- oder Schmierseifen dagegen enthalten ausser denKaliumsalzen auch noch Glycerin und überschüssiges Kali beigemengt.

Man bereitet die Seifen, indem man die Fette mit verdünnter Kali-oder Natronlauge kocht, bis vollständige Zersetzung und vollständige Lö-sung eingetreten ist, und nun die Lösung, wenn Kali angewendet wurde,eindampft, wobei als Rückstand die sogenannte Schmierseife erhalten wird,oder indem man aus der Lösung die Seife durch Zusatz von Kochsalzausscheidet. Hatte man Kalilauge zur Verseifung angewendet, so wirddurch das Aussalzen: den Zusatz von Kochsalz, eine Umsetzung derKaliseife in Natronseife und Chlorkalium bewirkt.

In den südeuropäischen Ländern, besonders im südlichen Frankreich,wo Marseille Hauptsitz der französischen Seifenfabrikation ist, benutztman zur Seifenfabrikation gewöhnlich die geringeren Sorten des Oliven-öls und Natronlauge, in den übrigen Ländern thierische Fette, Palmöl,Cocosnussöl und häufig Kalilauge.

Die allgemeinen Eigenschaften der Seifen sind folgende:Wenn nicht absichtlich gefärbt, sind die Seifen weiss oder grauweiss, indünnen Scheiben durchscheinend, sie werden an der Luft nicht feucht,fühlen sich eigenthümlich fettig an, und lösen sich in Alkohol und Wasserauf, damit schäumende Lösungen bildend. Durch viel Wasser werden siein saure sich niederschlagende Salze und gelöst bleibendes freies Alkalizerlegt. Kochsalz und andere lösliche Salze der Alkalien scheiden dieSeifen aus ihren Lösungen wieder aus (Aussalzen). Durch Bittererde-salze, Kalksalze oder hartes Wasser (solches, welches viel Kalksalze ent-hält) entstehen in den Seifenlösungen weisse Niederschläge: Verbindun-gen der Kalk- oder der Bittererde mit den fetten Säuren und daraufgründet sich die in den Haushaltungen wohlbekannte Thatsache, dasssich hartes Wasser zum Waschen nicht eignet. Die Wirkung der Seifebeim Waschen beruht auf der Zersetzung der Seifen durch Wasser, in-dem das dabei freiwerdende Alkali die Unreinigkeiten leicht wegnimmt,und andererseits die sich abscheidenden sauren fettsauren Salze Fett auf-zunehmen vermögen.