C9G Säuren des Cyans.
freien organischen Säuren reagiren nicht sauer; bei längerer Be-rührung mit Wasser, besonders in höherer Temperatur, nehmensie das Wasser wieder auf und reagiren hierauf sauer,
Man unterscheidet einbasische, zweibasische und dreibasischeSäuren. Erstere bilden mit 1 Aeq. Basis neutrale Salze; die bei-den anderen bedürfen zur Sättigung der untheilbaren Masse,welche wir Molekül nennen, 2 und 3 Aeq. Basis. Die zwei-basischen Säuren bilden zwei Reihen von Salzen, nämlich neu-trale und zweifachsaure Salze; die dreibasischen Säuren bilden dreiSalzreihen, neutrale und zwei saure Salze.
Salze von einbasischen Säuren:1 Molekül Säure -f- 1 Aeq. Metalloxyd.
Salze von zweibasischen Säuren:1 Molekül Säure -f- 2 Aeq. Metalloxyd.1 Molekül Säure -)- 1 Aeq. Metalloxyd -+- 1 Aeq. Wasser-Salze von dreibasischen Säuren:1 Molekül Säure + 3 Aeq. Metalloxyd.1 Molekül Säure -f- 2 Aeq. Metalloxyd -f- 1 Aeq. Wasser.1 Molekül Säure -f- 1 Aeq. Metalloxyd -(- 2 Aeq. Wasser.
Säuren des Cyans *).
Cyan säure; HO . C,NO = Hü . CyO.
799. Diese Säure bildet sich stets, wenn alkalische Cyan-metalle an der Luft oder mit einem leicht reducirbaren Metalloxydgeglüht werden, wobei das Cyan und das Alkalimetall Sauerstoffaufnehmen und sich, zu cyansaurem Alkali verbinden.
Zur Darstellung des Cyansäurehydrats erhitzt man getrock-nete Cyanursäure (801.) in einer, mit gut abgekühlter Vorlageversehenen Retorte; die Cyanursäure verwandelt sich beim Er-hitzen in Cyansäure, welche überdestillirt. In der Vorlage sam-melt sich eine wasserhelle Flüssigkeit von durchdringend sauremund stechendem Geruch, welche, auf die Haut gebracht, sogleichschmerzhafte Brandblasen erzeugt. Die Säure bleibt nicht lange
*) Die übrigen Verbindungen des Cyans, welche man auch zu denorganischen Körpern rechnen kann, sind schon früher beschriebenworden.