Druckschrift 
1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
Entstehung
Seite
697
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Cyanursäure. 097

flüssig, sondern verwandelt sich nach kurzer Zeit in eine weisseporeellanartige Masse, welche nicht mehr die Eigenschaften einerSäure besitzt. Beim Erhitzen in einer Retorte verwandelt sichdieser, Cyamelid genannte teste Korper wieder in Cyans'äure,welche überdestillirt und in einer Vorlage aufgefangen werden kann.Die Cyansäure zerfällt, wenn sie mit Wasser in Berührungkommt, in wenigen Seeunden, unter Aufnahme der Elemente desWassers, in zweifach-kohlensaures Ammoniak, nach der Gleichung:HO . C 4 XO -f- 4110 = NH . 2HO . 2C0. 2 .

800. Cyansäure Salze. Allgemeine Formel: MO . CgKO.Die cyansauren Salze der Alkalien und Erdalkalien sind in Wasserleichtlöslich, die der schweren Metalloxyde sind dagegen weniglöslich. Versetzt man sie mit einer stärkeren Säure, z. B. Chlor-wasserstoffsäure. so wird die Cyansäure abgeschieden, zerlälltaber sogleich in Kohlensäure und Ammoniak. Es entsteht daherein Aufbrausen, wie bei einem kohlensauren Salz, nur zeigt dasentweichende Gas den stechenden Geruch der Cyansäure; in derFlüssigkeit ist hierauf ein Ammoniaksalz enthalten. Auch beimblossen Kochen der -wässerigen Lösung der cyansauren Salze er-leiden sie dieselbe Zersetzung. Bei Ausschluss von Wasser las-sen sich die cyansauren Alkalien zum Glühen erhitzen, ohne eineZersetzung zu erleiden; sie schmelzen hierbei noch unter derGlühhitze.

Das cyansäure Kali erhält man durch Schmelzen von Cyan-kalium mit Mennige oder Bleioxyd

Ein sehr merkwürdiges Verhalten zeigt das cyansäure Am-moniak; hat man dasselbe durch Zusammenbringen der Säuremit trocknem Ammoniakgas oder durch doppelte Zersetzung voncyansaurem Kali mit schwefelsaurem Ammoniak in wässerigerLösung bereitet, so setzt es sich nach kurzer Zeit beim Erwär-men der Lösung in Harnstoff, C ä H,No0. 2 , um, ein Körper,der dieselbe Zusammensetzung wie das cyansäure Ammonium-oxyd, aber ganz andere Eigenschaften (890.) hat.

Cyanur säure: 3IIO . C ö N 3 0 3 .

801. Die Cyanursäure, welche dieselbe procentische Zusam-mensetzung wie die Cyansäure besitzt, lässt sich als eine Verbin-dung von 3 Aeq. Cyau mit 3 Aeq. Sauerstoff betrachten. DieCyanursäure bildet sieh unter verschiedenen Umständen; sie ent-steht aus der Cyansäure, wenn diese aus der wässerigen Lösungihrer Alkalisalze durch schwache Säuren, z. B. Essigsäure, abge-schieden wird, beim Erhitzen von Harnstoff u. s. w.

44*