Druckschrift 
1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
Entstehung
Seite
691
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Isomere Körper. C91

Körper eines eigenthümlichen Fermentes in einem bestimmtenZustande der Zersetzung.

Der frische Labmagen verursacht die Umwandlung des Milch-zuckers in Milchsäure; nach längerer Zeit verwandelt der Lab-magen dagegen den Milchzucker in Alkohol und Kohlensäure.DasAmygdalin der bitteren Mandeln erleidet in Berührung miteinem in den süssen und bitteren Mandeln enthaltenen Stoff, derSynaptase, eine Zersetzung in Bittermandelöl, Cyanwas-serstoffsäure und Zucke-r. Man kennt kein anderes Fer-ment, welches dieselbe Zersetzung bewirkt. Dieselbe Synaptaseverursacht nach längerem Faulen in Zuckerwasser die Alkohol-gührung, und nach noch längerer Zeit ist sie in Milchsäurefermentverwandelt.

Ausser dem Zustande des Fermentes hat indessen, auch dieTemperatur einen bedeutenden Einfluss auf die bei der Gährungentstehenden Producte. Der Zucker, welcher in Berührung mitFerment bei 10 bis 20° die Alkoholgährung erleidet, verwandeltsich bei 35° in Milchsäure und Gummi.

793. Befindet sich ein im Zustande der Gährung begriffenerKörper in Berührung mit Sauerstoff, so nimmt der Sauerstoff ander Zersetzung Antheil, und der Körper erleidet eine bei niedri-ger Temperatur stattfindende Oxydation, welche man in diesemFalle Verwesung nennt. Der Alkohol, C, H 6 0 2 , geht z. B.unter diesen Umständen in Essigsäure, C 4 II 4 0,, über (809.).Die zum Eintreten der Verwesung nothwendigen Bedingungensind: 1) ein Ferment, 2) Gegenwart von Sauerstoff, und 3) einegewisse Temperatur. Alle Umstände, welche die Fäulniss aufhe-ben, vernichten auch die Verwesung.

Isomere Körper.

794. Es giebt viele organische Verbindungen, welche dieselbeprocentische Zusammensetzung besitzen, in ihren chemischen undphysikalischen Eigenschaften aber bedeutend von einander ver-schieden sind. Solche Stoffe nennt man im Allgemeinen isomereKörper (von laofMQtjs, aus gleichen Theilen zusammengesetzt).Es giebt z. B. verschiedene ätherische üele, welche die Formel-C S0 H 16 besitzen, wie Terpentinöl, Citronenöl,Bergamott-öl u. s. w.; dieselben unterscheiden sich nicht nur durch verschie-