Freiwillige Zersetzung. 689
Viele in freiem Zustande flüchtige Säuren erleiden ähnlicheZersetzungen, wenn man sie an Basen bindet. Es sind haupt-sächlich hierbei zwei Fälle zu unterscheiden:
1. Erhitzt man die Alkalisalze oder Erdalkalisalze solcher Säu-ren zum Glühen, so bleibt kohlensaures Salz zurück, und dieübrigen Elemente entweichen in Gestalt einer flüchtigen Ver-bindung. Der essigsaure Kalk, CaO . C 4 H 3 0 3 , entwickeltbeim Glühen Aceton, C 9 H, 0 2 , und es bleibt kohlensaurerKalk:
2 (CaO . C,H 3 O a ) = 2 (CaO . C O s ) + C 6 II, O ä .
2. Erhitzt man die Säure dagegen mit überschüssigem Kalkhy-drat, so wird meistens aller Sauerstoff der Säure in Kohlen-säure übergeführt und es entweicht ein Kohlenwasserstoff. DieBenzoesäure, H 0 . C 14 H 5 0 3 , liefert, mit Kalkhydrat destillirt,Benzol, C ls H 8 , nach der Gleichung:
C, 4 H 6 0, + 2 CaO = C 12 H 8 + 2 (CaO . CO,).
Freiwillige Zersetzung der organischen Körper.
791. Wir haben schon unter den unorganischen Verbindun-gen einige kennen gelernt, deren Elemente mit so geringer Kraftzusammengehalten sind, dass sie bei den schwächsten Einwirkun-gen schon eine Zersetzung erleiden. Der Jodstickstoff und Chlor-stickstoff (S. 233) z. B. zersetzen sich schon bei der leisestenBerührung mit einem fremden Körper. Das Cyan (221.) erleidetin seiner wässerigen Lösung nach kurzer Zeit eine Veränderung,wobei verschiedene Producte entstehen. In ähnlicher Weise zer-fallen die sehr zusammengesetzten organischen Verbindungen untergewissen Umständen in andere, einfacher zusammengesetzteStoffe, welche unter den obwaltenden Verhältnissen keiner weite-ren Ver-änderung mehr fähig sind, unter anderen Bedingungenaber wieder eine Zersetzung zu erleiden vermögen. Man nenntdiese freiwillig eintretende Zersetzung der organischen StoffeFäulniss, und die Substanzen selbst erhalten die Bezeichnungfäuln iss fähige Stoffe. Zum Eintreten der Fäulniss sindgewisse Bedingungen nothwendig, bei deren Ausschluss sie nichterfolgt. Die Fäulniss tritt nur bei einer gewissen Temperaturein, welche über 0° und unter 100°liegt, am besten bei 20 bis 30°;Frostkälte und Siedehitze heben sie auf; sie erfolgt nur bei Ge-genwart von Wasser, und es ist eine, wenn auch vorübergehendeBerührung mit Sauerstoff nothwendig. Hat die Fäulniss einmalbegonnen, so kann der Zutritt des Sauerstoffs abgehalten werden,ohne dass dadurch der Process der Fäulniss aufhört.Regnault-St recker's Chemie.
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