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1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
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Einwirkung des Ammoniaks.

Das Bittermandelöl, C lt H,Oj, geht bei der Behandlungmit schmelzendem Kalihydrat in benzoesaures Kali über:C 14 H 6 0, -4- HO . KO = KO . C 14 H 5 O a + 211.

Häufig treten bei der Einwirkung der Alkalien in ähnlicherWeise Spaltungen ein, wie bei der Behandlung mit verdünnterSchwefelsäure (782.). Die Amide werden unter Aufnahme derElemente des Wassers in Ammoniak und eine Säure zerlegt, welcheletztere mit dem Alkali in Verbindung tritt. Das Benzamid (78G.)geht z. B. in Ammoniak und benzoesaures Kali über, wenn esmit Kalilauge erwärmt wird.

Einwirkung des Ammoniaks.

786. Das 1 Ammoniak vereinigt sich mit den organischenSäuren in der nämlichen Weise, wie wir bei den Verbindungen derunorganischen Säuren mit Ammoniak (412.) beschrieben haben.In diesen Verbindungen ist die wasserfreie Säure mit 1 Aeq.Wasser und 1 Aeq. Ammoniak vereinigt, so dass zu dem Säure-hydrat nur 1 Aeq. Ammoniak getreten ist.

Das Essigsäurehydrat, H0.C,H 3 0j, geht beim Zu-sammenkommen mit Ammoniak in essigsaures Ammoniak,NHj HO . C, IljO , oder eigentlich essigsaures Ammonium-oxyd, XII,, O . C, Il 3 Oj, über. Es giebt aber noch andere Verbin-dungendes Ammoniaks mit organischen Stoffen, welche erst durchAufnahme der Elemente des Wassers in gewöhnliche Ammoniak-salze übergehen. Diese Verbindungen zeigen nicht die Eigen-schaften der Ammoniaksalze (422), aber sie können sämmtlichdurch Behandlung mit Schwefelsäure oder Kalihydrat in gewöhn-liche Ammoniaksalze übergeführt werden.

Es kommen hierbei folgende Verbindungsverhältnisse vor:

1. Bin Aequivalent eines Stoffes nimmt 1 Aeq. Ammoniak auf,und es werden 2 Aeq. Wasser abgeschieden. Dies sind diegewöhnlichen Amide. Benzoesäure (HO . (_',., H 5 0,,) undAmmoniak bilden z. B. Benzamid (C 14 H 7 N0 4 ), nach derGleichung :

HO . C,,H 5 0 3 + NH 3 = G u H,NO ä + 2 HO.

2. Es können auch statt 2 Aeq. Wasser hierbei 4 Aeq. Wasserabgeschieden werden, wodurch die Nitrile entstehen. Wer-den aus dem benzoesauren Aminoniumoxyd (NH,0.C, 4 H 5 0 3 ) 4 Aeq. Wasser entfernt (was durch Erhitzen ge-schieht), so erhält man Benzonitril (C 14 II 5 N) nach derGleichung:

NH, + HO . C, 4 H 5 0 3 = C„H,N + 4110.