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1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
Entstehung
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676
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678 Einwirkung von Chlor.

Diese Oxydation der organischen Verbindungen tritt in vielenFüllen erst bei Gegenwart von Platinschwarz oder Platinschwainmein, oder sie wird dadurch wenigstens sehr begünstigt. Der Al-kohol, C 4 H 6 0. 2 , welcher für sich bei der gewöhnlichen Tempe-ratur durch Sauerstoff keine Veränderung erleidet, geht in Berüh-rung mit Sauerstoff und Platinschwarz, unter Verlust von Wasser-stoff in Aldehyd, C 4 IL0. 2 , über, und dieser verwandelt sich hier-auf weiter durch Aufnahme von Sauerstoff in Essigsäure, C,II 4 0,.

Einwirkung von Chlor, Brom oder Jod.

778. TVenn ein organischer Stoff bei gewöhnlicher Tempe-ratur mit Chlorgas in Berührung gebracht wird, so findet in denmeisten Fallen eine Einwirkung statt:

1. I>as Chlor tritt zuweilen geradezu in die Verbindung ein,ohne dass etwas abgeschieden wird. Das ölbildende Gas,C 4 H 4 , geht in Berührung mit Chlor in ein Oel von der For-mel C,H,C1, über (226.).

2. Die Mehrzahl der organischen Verbindungen zeigt indessengegen Chlor ein anderes Verhalten. Das Chlor entzieht derVerbindung einen Theil ihres Wasserstoffs, bildet damit Chlor-wasserstoffsäure, und eine gewisse Menge von Chlor tritt indie organische Verbindung ein. Gewöhnlieh ist hierbei dieAnzahl der eintretenden Chloräquivalente gleich der Anzahlder ausgetretenen Wasserstoffäquivalente. Die Chemikernehmen an, dass das Chlor hierbei dieselbe Stelle in der Ver-bindung einnehme, welche truher der Wasserstoff inne hatte,und sie sagen, dass der Wasserstoff durch Chlor vertreten,substituirt sei. Diese Substitution des Wasserstoffsdurch Chlor ist eine der am häufigsten bewirkten Verwand-lungen organischer Körper; wir werden sogleich noch andereStoffe kennen lernen, welche in ähnlicher Weise den Wasser-stoff vertreten können. Die Substitutionsproductc stehen zudem ursprunglichen Körper, aus dein sie entstanden sind, inder nächsten Beziehung; sie sind einander isomorph undzeigen in vieler Hinsicht ein ähnliches Verhalten. Ist derursprungliche Körper von saurer Natur, so ist die substituirteVerbindung gleichfalls eine Säure, und zwar eine stärkereals die normale; aus einein Körper von basischen Eigen-schaften entstehen bei der Substitution durch Chlor meistensgleichfalls basische Körper; die basischen Eigenschaften werdenaber um so schwächer, je mehr Wasserstoff ausgetreten unddurch Chlor ersetzt ist, so dass bei einem gewissen Verhält-