Druckschrift 
1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
Entstehung
Seite
430
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

-^ ,r jtt*m*

430

Mörtel und Cäment.

Eisenoxydhydrat, die man als Farbstoffe anwendet. Je nach derMenge des beigemengten Eisenoxyds zeigen sie verschiedeneFärbung; enthalten sie ausserdem Manganoxydhydrat beigemengt,so ist ihre Farbe mehr braun. Die siennische Erde ist z. B.ein derartiger Thon.

Mörtel und Cäment.

473 b. Der gewöhnliche Mörtel (Luftmörtel) ist wesentlichKalkhydrat, das mit Wasser und Quarzsand gemengt, in Formeines dicken Breis zwischen Steine gebracht, zuerst wenig festerwird, indem die porösen Steine einen Theil des Wassers auf-saugen, und ein anderer Theil des Wassers an der Luft ver-dunstet. Das Kalkhydrat zieht allmälig Kohlensäure aus derLuft an, und verwandelt sich dadurch langsam in harten zu-sammenhängenden kohlensauren Kalk, welcher die Steine undden Quarzsand zu einer festen Masse vereinigt. Der Quarzsandhat hierbei so wenig wie die Steine eine chemische Einwirkungauf den Kalk.

Enthält der Kalkstein Thon beigemengt, so findet bei demBrennen desselben eine ehemische Einwirkung beider Stoffe aufeinander statt. Die gebrannte Masse kann mit Wasser ohnebedeutende Wärmeentwickelung gemischt werden; zu Pulver ge-mahlen und mit Wasser vermischt erhärtet sie damit, ohne dassLuftzutritt nothwendig ist, daher auch unter Wasser. Je nachder Menge des beigemengten Thons (10 bis 30 Proc.) findet dieErhärtung mehr oder weniger rasch statt (nach 2 bis 20 Tagen).Dies ist der hydraulische Kalk, unrichtig auch Cämentgenannt.

Es giebt auch einige Verbindungen von Kieselsäure mitThonerde und geringen Mengen von Alkalien und Kalk, welchein gepulvertem Zustand zu Kalkbrei gebracht, denselben in hy-draulischen Kalk verwandeln. Dies geschieht durch die meistenSilicate, welche mit Chlorwasserstoffsäure, unter Abscheidungvon gallertartiger Kieselsäure, zersetzt werden. Besonders wirdhierzu das Puzzolane (bimssteinartiges Mineral von Puzzuolibei Neapel) und der Trass (aus dem Brohlthal am Ehein) an-gewendet. Im Allgemeinen nennt man diese Stoffe Cäment.