Einleitung. 9
lässt ihn hierauf bei vollkommener Kühe langsam erkalten. Zuersterstarrt die obere Schicht und diejenige, welche mit der Wunddes Gefiisses in Berührung ist. bei weiterem Erkalten gruppirensich die neu sich abscheidenden Moleküle im Inneren auf denschon l'estgewordenen Theilchen, je nach dem eigentümlichenSymmetriegesetz des Körpers, zu grösseren Krystallen, welchemitten durch den noch flüssigen Theil der Masse gehen. Wennman überzeugtest, dass schon ein betrachtlicher Theil der Massefest geworden ist, durehstösst man mit einem scharfen Eisen dieobere Kruste und giesst schnell den noch flüssig gebliebenenTheil durch die Oeffhung aus. Bei vorsichtiger Wegnahme deroberen Kruste findet man dann (las Innere des Gefässes häufigmit sehr vollkommen ausgebildeten Krystallen bekleidet. Schwe-tel und Wismuth krystallisiren besonders gut auf diese, Art.
12. Diejenigen Körper, deren Siedepunkt bei gewöhnlichemLuitdruck niedriger ist als ihr Schmelzpunkt, krystallisiren leichtbei ihrem Uebergang aus dem gasförmigen Zustand in den te-sten, oder, wie man sagt, bei der Sublimation.
Man kann diejenigen Körper, deren Siedepunkt bei demgewöhnlichen Druik der Atmosphäre nur wenig höher ist als ihrSchmelzpunkt, in gleicher Weise krystallisiren, indem man sie aufeine unter ihrem Schmelzpunkt liegende Temperatur erhitzt, beiwelcher sie schon reichliche Dämpfe entwickeln.
Wenn man ■/.. B. in eine grosse Glasflasche einige. Stuckevon Kampher bringt und diese auf eine nur bis 30" erwärmtePlatte stellt, während die Temperatur der Umgebung niedriger ist.so bekleidet sich der obere Theil der Flasche mit Kampherkry-stallen, welche sich aus dem Dampf absetzen, der von den untenbefindlichen, auf 30° erwärmten Kampherstücken entweicht. Wennman in einer thönernen Retorte Arsen zum Rothglühen bringt,so bedecken sich in gleicher Weise die Wölbung und der Halsder Retorte mit Krystallen von sublimirtem Arsen.
13. Die in Flüssigkeiten löslichen Körper nehmen regel-mässige, krystallinische Formen an, wenn man das Lösungs-mittel langsam unter solche Bedingungen versetzt, in welchenes die ursprünglich aufgenommene Menge des Körpers nicht mehrganz gelöst behalten kann. Das Lösungsmittel besitzt nicht beiallen Temperaturen dasselbe Lösungsvermögen für den nämlichenStoff; in der Regel nimmt es in der Wärme eine grössere Mengedavon auf, als in der Kälte, so dass aus einer in der Wärme miteinem Körper gesättigten Lösung, bei langsamem Erkalten undvollkommener Ruhe, die Theilchen, welche in der kälter gewor-