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1 (1855) Anorganische Chemie und Abriss der organischen Chemie
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8 Einleitung.

schiedener Individuen derselben Art einander vollkommen ähnlichsind. Dies geht noch weiter. Die meisten Substanzen, welcheäusserlich eine unregelmässige Form zu besitzen scheinen, zeigenauf ihrem frischen Bruch bestimmte Anzeichen eines regelmässi-gen oder krystallinischen Gefüges; in diesem Falle besteht dieganze Masse des Körpers aus einem Haufwerk einer Unzahl vonkleinen, in einander verwebten Krystäilchen, Diese kleinen Krv-stalle haben zuweilen eine so geringe Grösse, dass man sie nurmittelst der Loupe oder des Mikroskops unterscheiden kann, undman darf hiernach wohl annehmen, dass es noch viel kleineregiebt, die sich unserem Auge entziehen.

Das krystallinische Gefüge der Körper ist nicht etwa einAusnahmefall, sondern im Gegentheil bei weitem der allgemeinereFall.

Die meisten Substanzen, die der Chemiker im Laboratoriumdarstellt, besitzen die Fähigkeit zu krystallisiren, d. h. regel-mässige geometrische Form anzunehmen; wenn dies unter dennämlichen Bedingungen geschieht, so findet man die verschie-denen KryStallindividuen einander vollkommen ähnlich; hierdurchist die Krystallform eines der sichersten Merkmale zur Unter-scheidung krystallisirbarer Stoffe von einander.

Das Studium der Krystallgestalten bildet den Gegenstandeiner eigenen Wissenschaft, der Krystallographie.

10. Geht ein Körper aus dem flüssigen (geschmolzenen odergelösten) oder gasförmigen Zustand in den festen über, ohnezuvor einen unvollkommenen flüssigen, z. B. teigartigen Zustandanzunehmen, so ordnen sich seine Moleküle in allen Fällen nachGesetzen der Symmetrie, die für jeden Körper eigenthümlichsind, und der Körper nimmt Krystallform an. Wenn das Fest-werden rasch durch die ganze Masse stattfindet, so bleiben dieKrystalle klein und der Bruch des festen Körpers erscheint demblossen Auge unregelmässig und körnig; aber mittelst des Mi-kroskops kann man in den meisten Fällen erkennen, dass dieganze Masse des Körpers ein Haufwerk verwirrter Krystäilchendarstellt. Andere Körper dagegen werden beim raschen Erstarrengehindert, regelmässige Formen anzunehmen; ihre Theilchen la-gern sich unregelmässig, nicht nach bestimmten Richtungen, wiein den Kry stallen: solche Korper nennt man amorph (gestaltlos,von « privativum und /uoqi/iJ Gestalt).

11. Um einen Körper aus dem geschmolzenen Zustand inkrystallinische Form überzuführen, erhitzt man eine etwas be-trächtliche Menge desselben in einem Tiegel zum Schmelzen und