Einleitung.
menden Körper fähig sind, die drei Aggregatzuständc anzunehmen,wenn sie einer geeigneten Temperatur und einem hinreichendenDruck ausgesetzt werden. Es ist indessen zu bemerken, dasseine grosse Anzahl fester Körper nicht in flüssige Form überge-führt werden kann, weil sie durch Einwirkung der Wärme eineZersetzung erleiden. So zersetzt sich der kohlensaure Kalk inder Rothglühhitze, indem einer seiner Bestandteile, das Kohlen-säuregas, entweicht, bevor eine Schmelzung eingetreten ist. Mankann aber die Entwickelang von Kohlensäure verhindern, wennman den kohlensauren Kalk in einem hermetisch verschlossenenFlintenlauf erhitzt; in diesem Falle schmilzt der kohlensaure Kalkbei piner Temperatur, welche den Hitzgrad nur wenig übertrifft,bei welchem derselbe in freier Luft unter Entweichen der Koh-lensäure zersetzt wird.
5. Cohäsion skraft. Die Kraft, welche die gleichen Mole-küle eines einfachen oder zusammengesetzten Körpers vereinigthält, nennt man Cohäsionskraft. Diese Kraft ist in festenKörpern sehr gross, in Flüssigkeiten ist sie kaum merklich undin Gasen fehlt sie vollkommen. In letzteren stossen sogar dieTheilchen einander ab und werden nur durch den Druck derWände, in welchen das Gas eingeschlossen ist, in der vorhande-nen Entfernung erhallen.
ß. Chemische Verwandtschaft. Die Kraft, welchedie einlachen Moleküle eines zusammengesetzten Moleküls ver-einigt, nennt man chemische Verwandtschaft. Affinität.Sie ist die Ursache der Verbindung der Moleküle verschiedenereinfacher Stoffe unter einander zu zusammengesetzten Stoffen.Die chemische Verwandtschaft zweier Stoffe bleibt sich nicht un-ter allen Umständen gleich; sie wechselt vielmehr je nach den\ erhältnissen, in welchen sich dieselben befinden; zwischen zweifesten Körpern äussert sie sich nur schwierig, weil keine hin-längliche Berührung der einzelnen Moleküle stattfinden kann.Die Körper müssen vertheilt sein, wenn die ehemische Verwandt-schaft sich äussern soll. Diese Vertheilung wird durch mecha-nisches Pulvern nur unvollkommen bewirkt, vollkommen aberdurch Ueberführung derselben in den' flüssigen oder Gaszustand.Die alten Chemiker drückten diese Thatsache durch den Satzaus: Corpora non agunt. nisi soluta. In einigen Fällenist es hinreichend, wenn nur der eine Körper sich in dem flüssi-gen oder gasförmigen Zustande befindet.
Die chemische Verwandtschaft ändert sich oft mit der Tem-peratur bedeutend; Kalk und Kohlensäure vereinigen sich leicht