2 Einleitung-
Zinn Magnet und zieht eiserne Gegenstände auch nach der Weg-nahme des Magnets an, welcher ihm diese Eigenschaft nütge-theilt hat. In allen diesen Fällen haben die genannten Körperneue Eigenschaften erlangt, die mehr oder weniger andauern,aber sie haben ihre besonderen Eigenschaften nicht verloren.
Wenn man Kupferfeile mit Schwefel innig mischt, so beob-achtet man keine besondere Erscheinung; die Theilchen der bei-den Stoffe bleiben mit einander vermischt, und wie fein zertheiltsie auch sein mögen, mittelst des Mikroskops lassen sie sich im-mer von einander unterscheiden. Erhitzt man aber dasselbe Ge-menge in einem kleinen Glaskolben, s,o tritt sein- bald eine auf-fallende Veränderung ein: die Masse wird glühend, überschüssigerSchwefel verdampft, und wenn man hierauf die Masse durch dasMikroskop beobachtet, so lässt sich weder Schwefel noch Kupfermehr darin entdecken, selbst dann nicht, wenn man sie zum fein-sten Staub zerrieben hat. Kupfer und Schwefel haben hierbei sichin einem bestimmten Verhältniss innig mit einander vereinigt: siehaben sich verbunden, und das Product dieser Verbindung istein neuer Körper, das Schwefelkupfer, welches durch seinAussehen und seine besonderen Eigenschaften sich von Kupferund Schwefel, aus denen es entstanden ist, wesentlich unterscheidetDiese letzte Erscheinung gehört dem Gebiet der Chemie an.
Eine Eisenstange bekleidet sich an feuchter Luft mit einemgelben Stoff, dem Rost, und nach hinreichend langer Zeit ver-wandelt sie sich ihrer ganzen Masse nach in denselben Körper.Auch dieses ist eine chemische Erscheinung; es hat eine Ver-bindung stattgefunden, wodurch die Veränderung bewirkt wordenist, wenn auch die hierbei einwirkenden Stoffe weniger in dieAugen fallen, als in dem ersten Beispiel. Das Eisen hat sich all-mälig mit einem Bestandtheile der atmosphärischen Luft, nämlichdem Sauerstoff, verbunden; es wurde dadurch in einen neuen Kör-per, in Eisen oxyd, verwandelt, welches sich seinerseits, so wiees sich bildete, mit dem in der Luft dampfförmig enthaltenenWasser vereinigte, wodurch ein dritter Körper, das Eisenoxyd-hydrat, entstand, und lezteres ist das Endproduct, der Rost.
Die Chemie ist also der Thei 1 der Natürwissen-schaft, welcher sich mit den bei der Berührung derKörper eintretenden Erscheinungen beschäftigt, inso fern diese eine vollständige Aenderung in demWesen der Körper bewirken. Der Vorgang bei der Ver-bindung oder Zersetzung der Körper, welchen die Chemie genaueruntersucht, ist immer von Erscheinungen begleitet, die ins Ge-