E
i n
e 1 t u n
1. Es ist immer schwierig Anfängern eine genaue und zu-gleich verstandliche Definition von derjenigen Wissenschaft zugeben, welche sie kennen lernen wollen; eine strenge Definitionerfordert nämlich im Allgemeinen schon die Kenntniss einesTheils der Erscheinungen, mit welchen sich diese Wissenschaftbeschäftigt. Wir wollen daher lieber, durch Anführung einigerBeispiele, einen Begriff von chemischen Erscheinungen zu gebenversuchen, und wählen dazu solche aus, welche sieh am häufig-sten uns zeigen oder am leichtesten sich hervorrufen lassen.
Wenn man die verschiedenen in der Natur vorkommendenKörper mit einander in Berührung bringt, so zeigen sich sehrverschiedenartige Erscheinungen. Die Körper erhalten entwedervorübergehend andere Eigenschaften, ohne dabei ihr natürlichesAussehen und ihr Gewicht zu verändern; oder die Erscheinungenrühren im Gegentheil von einer tief eingreifenden Veränderungin dem Wesen der vorhandenen Körper her, in Folge derenneue Körper entstehen, welche in ihrem Aussehen und ihrenEigenschaften von den ursprünglich vorhandenen vollkommenverschieden sind. Die ersten Erscheinungen gehören in das Ge-biet der Physik; beispielsweise führen wir folgende an -
Ein Glasstab, oder eine Stange von Schwefel oder Siegellack,werden elektrisch, wenn man sie mit Tuch reibt, und erlangendadurch die Eigenschaft, leichte Körper, wie die Fahne einer Fe-der oder'Papierschnitzel, anzuziehen. Ein eiserner Stab nimmtin Berührung mit einem Magnet, oder überhaupt in der Nähedesselben, die Eigenschaft des Magnets an, eiserne Gegenständeanzuziehen; diese Eigenschaft geht sogleich verloren, sobald derEisenstab aus der Nähe des Magnets weggenommen wird. Reibtman einen Stab von Stahl gegen einen Magnet, so wird er selbst
Ke g nault-SI rec k e r's Chemie. 1