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2. Organische Chemie 1. Abt. (1910) Organische Verbindungen mit offener Kohlenstoffkette
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Inosit.

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in den Kartoffelsprossen, in dem Kraute und den Beeren des Spargels, inden Blättern von Digitalis purpurea, von Taraxacum vulgare (Marme), vonFraxinus excelsior (Gintl), von Vitis vinifera (Neubauer), von Juglans regia,in den Beeren und Blättern von Viscum alhum (Tanret), im Traubensafte(Hilger) usw. Er findet sich ferner im Ochsengeliirn, in den Herzmuskeln,der Lunge, der Leber, dem Muskelfleische, dem Harne von an Morbus Brightiiund an Diabetes Leidenden (Scherer, Limpricht, Cloetta), sowie auch,im Harn Gesunder bei übermäßiger Wasserzufuhr (E. Külz) usw.

Ein geeignetes Material für die Gewinnung des Inosits ist das arzneilichempfohlene Phytin, anscheinend das Calcium - Magnesiumsalz einer Inosit-phosphorsäure, obschon es von Posternak als ein Salz einer Anhydrooxy-methylendiphosphorsäure (?) bezeichnet wird. Dasselbe bildet ein weißes,geschmackloses, in "Wasser lösliches Pulver, welches beim Erwärmen mitMineralsäure Inosit und Phosphorsäure liefert.

Zur Abscheidung des Inosits versetzt man den wässerigen Auszug derbetreffenden Pflanzen- oder Tiersubstanzen (Harn, nach Abscheidung vonetwa vorhandenem Eiweiß) mit Bleizuckerlösung bis zur vollständigen Aus-fällung, entfärbt das Filtrat möglichst durch, reine Tierkohle und versetztalsdann die filtrierte, etwas erwärmte Lösung mit so viel Bleiessig, als hier-durch noch ein Niederschlag entsteht. Der entstandene, nach zwölfstündigemStehen gesammelte Niederschlag, welcher den Inosit als Bleiverbindung ent-hält, wird nach dem Auswaschen in "Wasser suspendiert und durch Schwefel-wasserstoff zerlegt. Die abfiltrierte Elüssigkeit wird hierauf auf ein kleinesTolum eingedampft, und zwar so weit, daß eine Probe davon beim Versetzenmit der zwei- bis dreifachen Alkoholmenge sich trübt. Die Flüssigkeit wirdalsdann mit dem doppelten Volum Alkohol gemischt, bis zur Klärung er-wärmt und zur Kristallisation beiseite gestellt. Ein Zusatz von Äther biszur bleibenden Trübung befördert die Kristallabscheidung.

Der Inosit scheidet sich bei obiger Bereitung meist in blumenkohlartiggruppierten, feinen Kristallen aus, die durch Umkristallisation in rhombischePrismen oder Tafeln von stark süßem Geschmacke verwandelt werden können.An der Luft verwittern die Kristalle; entwässert, schmelzen sie bei 220°.Der Inosit löst sich bei 12,5° in 10 Tln. Wasser, nicht dagegen in starkemAlkohol und Äther. Die wässerige Lösung ist optisch inaktiv. VerdünnteSäuren verändern ihn beim Kochen nicht, ebensowenig reduziert er Fehling-sche Kupferlösung. Starke Salpetersäure führt bei gewöhnlicher Temperaturden Inosit in Hexanitroinosit: C°H 6 (NO 2 ) 6 O 0 , über; rhombische, in Wasserunlösliche, explosible Kristalle (Vohl).

Charakteristisch für Inosit sind folgende Reaktionen: Verdampft mandie wässerige, mit etwas Salpetersäure versetzte Lösung des Inosits fast zurTrockne, fügt ammoniakalische Chlorcalciumlösung zu und verdunstet vor-sichtig von neuem, so verbleibt ein schön rosenroter Bückstand (Scherer).Verdunstet man ferner eine inosithaltige Flüssigkeit bis auf wenige Tropfenund setzt hierauf ein Tröpfchen Quecksilberoxydnitratlösung zu, so entstehtzunächst ein gelblicher Niederschlag; beim weiteren vorsichtigen Verdunstenbleibt ein weißlichgelber Bückstand, der alsbald mehr oder minder dunkelrotwird. Die Färbung verschwindet beim Erkalten, kommt jedoch nach ge-lindem Erwärmen wieder zum Vorschein (Gallois). Eiweiß und Zuckerhindern die Reaktion.

Identisch mit Inosit ist die Dambose: C°H L2 0°, welche sich in Gestaltihres Dimethyläthers, des Dambonits: C°H 10 O 4 (O. CH 3 ) S , im Kautschukvon Gambon in Afrika findet. Aus letzterer Verbindung, welche prismatische,bei 195° schmelzende Kristalle bildet, wird die Dambose durch Erhitzen mit

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