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Farbstoffe.
Um eine aus einem Faserstoff (Baumwolle, Wolle, Seide) gefertigteWaare — Strähnen oder Gewebe — als Ganzes mit einem und dem-selben Farbstoff zu färben, bringt man sie in den meisten Fällen in einewässerige Lösung des Farbstoffs; auf die Bedeutung der Sulfurirungfür die Umwandlung nicht wasserlöslicher Farbkörper in wasserlöslicheist schon S. 132 hingewiesen.
Die Lösung des Farbstoffs, die eventuell mit Zusätzen — z. B. beiAnwendung der Salze von sauren Farbstoffen häufig mit saurem Natrium-sulfat, das die Farbsäure in Freiheit setzt, — versetzt wird, heisst das„Färbebad". Farbstoffe, welche aus ihren Lösungen von der Faserdirect aufgenommen werden., bezeichnet man als „direct ziehende"oder „Substantive" Farbstoffe. In anderen Fällen ist die Fixirungauf der Faser eist möglich, wenn man die letztere mit fremden Stoffen— den sogenannten „Beizen" —, die sich mit dem Farbstoff ver-einigen können, imprägnirt hat; man spricht dann von „Beizenfarb-stoffen" oder „adjectiven" Farbstoffen. Ob ein Farbstoff als sub-stantiver oder adjectiver wirkt, hängt indess keineswegs allein von seinerNatur, sondern ebenso von der Beschaffenheit der Faser ab. So giebtes sehr viele Farbstoffe, welche die animalische Faser — Wolle undSeide — direct, dagegen die vegetabilische Baumwolle nicht directfärben.
Als Beize wird für basische Farbstoffe besonders häufig Gerbsäureoder Gerbsäure in Verbindung mit Antimonpräparaten benutzt. SaureFarbstoffe, deren salzbildende Natur auf der Gegenwart von Phenol-hydroxylgruppen beruht, kann man sehr häufig auf der Faser befestigen,wenn man vor der Färbung die Faser mit leicht zersetzlichen Salzen(Acetaten, vgl. Bd. I, S. 343) der Thonerde, des Eisenoxyds oder Chrom-oxyds tränkt, dann durch ein schwach basisches Bad passiren lässt odereinige Zeit an warmer und feuchter Luft liegen lässt („dämpft") und
„Fortschritten der Theerfarbenfabrikation" (Berlin 1888 und 1891) abgedruckt undmit Commentaren versehen. Eine „Tabellarische Uebersicht d. künstl. org. Farb-stoffe" (Berlin 1891) haben G. Schultz u. P. Julius gegeben. — Ueber die An-wendung der organischen Farbstoffe vgl. besonders die folgenden Werke: Hummel-Knecht, Färberei u. Bleicherei d. Gespinnstfasem (Berlin 1891). Herzfeld, DasFärben u. Bleichen d. Textilfasern (Berlin 1889). Kertesz, Die Anilinfarbstoffe(Braunschweig 1888). Lehne, Tabellar. Uebers. üb. d. künstl. org. Farbstoffe u. ihreAnwendung (Berlin 1893—1894). — Eine Uebersicht über Zusammensetzung, Ge-winnung, Eigenschaften, Reactionen, Anwendung unter Beigabe von Stoffprobengiebt Möhi.au. Organische Farbstoffe (Dresden 1890). — Kein anderes Gebiet <ierTechnik aber ist so sehr fortwährenden Neuerungen unterworfen, wie die Farl n-industne; über die neuen Erscheinungen werden fortlaufende Berichte in der„chemischen Industrie" von H: Erdmann (vgl. 1890, 49, 71, 360, 387; 1891, 169,194 395, 424, 449; 1892, 128, 149, 371, 394; 1893,.153, 171; 1894, 6, 33, 288, 334),in der „Cöthener Chemiker-Zeitung" von P. Friedländer (1892, 1799; 1893, 1319,1359, 1413, 1433; 1894, 1183), im „Jahrbuch der Chemie" von R. Meyer (1891,394; 1892, 418; 1893, 413) gegeben.