Amidoazotoluole. Amidodisazoverbindungen.
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stotf ist. Auch heute noch wird das Bismarckbraun viel verwendet,scheint aber bei der jetzigen technischen Darstellungsweise im Wesent-lichen nicht das Chlorhydrat des Triamidoazobenzols, sondern die Chlor-hydrate complicirterer Amidoazokörper (Disazoverbindungen) zu enthalten;es färbt Wolle und Leder direct rothbraun.
Amidoazotoluole CH 3 • C 0 H 4 • N, • C 6 H 3 (CH 3 )(NH 2 ). Das ans o-Toluidin leichterhältliche 2.3'-Dimethyl-4'-Amidoazobenzol 1 krystallisirt aus Alkohol in tafel-förmigen, dunkelgelben Krystallen mit blauem Flächenschimmer und schmilzt bei100°; es wird von der Farbstofftechnik in grossen Mengen als Zwischenprodukt fürdie Safraninfabrikation erzeugt und dient auch als Componente für Disazofarbstoffe.— Das aus p-Toluidin gewinnbare 4.3'-Dimethyl-6'-Amidoazobenzol 2 — häufigauch Orthoamidoazotoluol genannt — ist unter den durch Umlagerung von Diazo-amidoverbindungen erhältlichen Orthoamidoazoverbindungen der einfachste Repräsen-tant; es bildet orangerothe Nadeln und schmilzt bei 118-5°; seine Salze sind infestem Zustand blass gelb, in Lösung aber grün gefärbt.
Amidodisazoverbiiidungeii': Beuzol-disazo-benzol-auilin C 6 H 5 -N~~N-C 0 H.,—N—N-C 6 H 4 -NH 2 ist in sehr geringer Ausbeute durch Combination von diazo-tirtem Amidoazobenzol mit Anilin erhalten, bildet gelbe Blättchen, schmilzt bei170°, ist in Weingeist nur wenig löslich und löst sich in concentrirter Schwefelsäuremit dunkelrother Farbe, welche auf Zusatz einiger Tropfen Wasser in tiefes Blauübergeht. — ni-Phenylendiamin-disazo-beiizol (C 0 H S • N=N) 2 C 6 H. J (NH 2 )„ entstehtdurch Combination von Diazobenzolnitrat mit Chrysoi'din, bildet dunkelrothe Nadeln,schmilzt bei 250° und ist nur sehr schwach basisch. Eine Sulfosäure diesesKörpers — C 0 H 5 • N, ■ C 6 H 2 (NH 2 ) ä ■ N 2 • C 6 H 4 ■ S0 3 H — wird durch Combination vonDiazobenzolchlorid mit Chrysoi'dinsulfosäure erhalten und bildet als Natriumsalz dasSäurebraun G, welches Wolle im sauren Bade braun färbt.
Allgemeines über organische Farbstoffe.
In den Amidoazoverbindungen lernten wir zum ersten Mal eineGruppe Ton Verbindungen kennen, welche in grösserer Zahl als ,,Farb-stoffe'• verwendbare Glieder umfasst. Im Anschluss an diese Gruppesei daher hier Einiges, was für das Verständniss der Anwendung vonorganischen Farbstoffen 4 nothwendig ist, kurz mitgetheilt.
1 Nietzki, Ber. 10, 662 (1877). — G-. Schultz, Ber. 17, 469 (1884).
2 Noeltixq u. Witt, Ber. 17, 77 (1884). — Zincke u. Lawson, Ber. 19, 1452(1886).
3 Vgl. Caho u. Scheaube, Ber. 10, 2230 (1877). — Gmess, Ber. 16, 2028 (1883).
— Actienges. f. Anilinfabr. D. R. Pat. 22 714 (1882). — Nietzki u. Diesterweg, Ber.21, 2143 (1888).
4 Die Leser, welche über das ganze Gebiet der künstlichen organischen Farb-stoffe und ihrer Anwendungen eingehendere Mittheilungen wünschen, müssen auf diereichhaltige Specialliteratur verwiesen werden. In ausführlicher Weise behandeltG. Schultz im zweiten Bande der „Chemie des Steinkohlentheers" (Braunschweig1887—1890), in kürzerer Form Nietzki — „Chemie d. org. Farbstoffe" (Berlin 1894)
— und Julius — „Die künstlichen org. Farbstoffe" (Berlin 1887) — das Gebiet.Harmsek's „Fabrikation d. Theerfarbstoffe u. ihrer Rohmaterialien" (Berlin 1889)enthält hauptsächlich Mittheilungen über die Fabrikationsmethöden. Die zahl-reichen Patente, welche auf die Farbenindustrie Bezug haben, sind in Friedländer's