Druckschrift 
2. Cyclische Verbindungen - Naturstoffe 1 (1923) Einkernige isocyclische Verbindungen
Entstehung
Seite
84
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

84 Uebergänge von aromatischen zu alicyclischen Sechsring-Abkömmlingen.

Auch unter der Einwirkung reducirender Agentien ist eine Auf-spaltung des Benzolkerns (vgl. auch S. 108) möglich, wie die Bildungvon Pimelinsäure aus Salicylsäure durch Reduktion mit Natrium inamylalkoholischer Lösung (Einhorn u. Willstättee) zeigt:

*-CH\^ --CH 2 ^

CH

\

>4s^

C-COOH

+ 4H + H,0

-OH

CH 2

CH S

^CH.

2 \

C-CO-OH

+ KLO

C-OH

CH 8 -

|

CH,-

i-CH 2

-CH,

-CH a -CO-OH-CO-OH

Die Beziehungen zwischen aromatischen und alicyclischenAbkömmlingen des Sechskohlenstoffrings

werden ausführlicher erst in Gruppe C des zweiten Buchs zu erörternsein. Doch möge hier schon darauf aufmerksam gemacht werden, dassdie Vorgänge, welche den Benzolkern in einen alicyclischen Sechsringverwandeln, von zweierlei Art sein können.

Der Uehergang kann einerseits durch Addition erfolgen; ein Bei-spiel hierfür wurde schon S. 56 in der durch Wasserstoffzufuhr erfolgen-den Reduction von Terephtalsäure zu Dihydro-, Tetrahydro- und Hexa-hydroterephtalsäuren gegeben.

Bei solchen Substitutionsprodukten des Benzols aber, welche mehr-werthige Elemente an Kohlenstoffatome des Kerns gekettet enthalten,erscheint der Uebergang auch durch intramoleculare Umlagerungdenkbar, wie dies für den einfachsten Fall durch die Formeln:

H

H

i

H-C vHc/

/C OH

^C-H

H-C

^

CO

H-C

CH,

X C /

H

aromatische Form

H

alicyclische Form

verdeutlicht wird. Dafür, dass zwei Verbindungen, die in derartigemVerhältniss zu einander stehen, gesondert existenzfähig sind und ineinander verwandelt werden können, liegt ein Beispiel in dem Carvacrolund Carvol (vgl. dort) vor. In vielen Fällen ist aber beobachtet worden,dass eine und dieselbe Verbindung in verschiedenen Reactionen balddas Verhalten der aromatischen, bald der alicyclischen Form zeigt;Beispiele für eine derartige Desmotropie (Bd. I, S. 10231025) vgl. beimResorcin und Phloroglucin.