Bedeutung des Steinkohlentheers.
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Achtes! Kapitel.
Der Steinkohlentheer als wichtigste Quelle deraromatischen Verbindungen.
(Bildung des Steinkohlentheers, Bestandtheile und technische Verarbeitung desselben.)
In dem vorhergehenden Kapitel ist darauf hingewiesen, dass wirheute zahlreiche, glatt verlaufende Reactionen kennen, die es uns ermög-lichen, aus Verbindungen der Fettreihe auf synthetischem Wege Ab-kömmlinge des Benzols herzustellen.
Benzolderivate treten uns ferner sehr häufig bei der Untersuchungvon vegetabilischen oder animalischen Naturprodukten entgegen (z. B.Benzaldehyd, Benzoesäure, Zimmtsäure, Hippursäure. Tyrosin etc.).
Allein die gewaltige Ausdehnung, welche die „aromatische Chemie"erlangt hat, dankt sie nur zum sehr geringen Theil jenen synthetischenLaboratoriumsprocessen oder der Erzeugung einzelner Glieder durch denOrganismus.
Ein Nebenprodukt der Leuchtgasindustrie vielmehr ist die Quellegeworden, welche für die seit nunmehr fast 40 Jahren rastlos be-triebene Bearbeitung der aromatischen Substanzen die werthvollstenAusgangsmaterialien geliefert hat, — der Steinkohlentheer. Seitim Jahre 1856 der erste „Anilinfarbstoff" (Perkin's Mauveln) ent-deckt wurde, dem sich eine unabsehbare Reihe der prächtigsten künst-lichen Farbstoffe anschliessen sollte, seit man erkannt hatte, dass dieRohmaterialien, welche zur Darstellung dieser Farbstoffe nothwendigwaren, in jenem Theer enthalten sind, der in jeder Leuchtgasfabrik sichansammelt, bemächtigte sich die Industrie dieses Abfallproduktes, be-gann, dasselbe in seine einzelnen Bestandtheile zu zerlegen, und hob eszu einer ungeahnten Bedeutung empor. Immer vollkommener wurdendie Methoden zur Reindarstellung einzelner Verbindungen aus jenemGemisch, das sich aus unzähligen verschiedenartigen Substanzen zu-sammensetzt, immer zahlreicher die Schaar der praktisch verwendbarenStoffe, die sich durch Umwandlung dieser Zwischenprodukte erzeugenHessen, immer mannigfaltiger die Art ihrer Anwendung.
„Hier, der Steinkohlentheer — einst ein lästiges Abfallprodukt —,dort, seine Derivate, das Heer der aromatischen Verbindungen mit ihrenzahllosen und täglich sich mehrenden Anwendungen in der Wissenschaft,der Kunst und den Gewerben, unentbehrliche Hülfsmittel in der Handdes chemischen Forschers, des Physiologen, des Bakteriologen, desArztes, dienstbar den vielgestaltigen Bedürfnissen der Färbekunst, derMalerei, des Lichtdrucks, der Sprengtechnik; neben dem künstlichenFarbstoff das svnthetische fiebervertreibende Heilmittel, das Aroma der