Sonderabdruck aus der Apotheker-Zeitung 1910. No 74/75.
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Der Drogenhandel Hamburgs.
(Ein Beitrag zur Handelsgeographie der Drogen.)Von O. Tunmann- Bern.
VI. Blätter und BiUten.
Folia Coca. Lieferant der Droge und des Alkaloides ist immer nochund fast ausschließlich die Heimat der Cocasträucher (die südamerikanischenAnden vom 11° n. Br. bis zum 24° s. Br. in einer Höhe von 700—2500 m).Jetzt kommt die Droge überwiegend aus Kulturen, die nötig wurden, umden steigenden Bedarf zu decken. Die Pflanzen werden aus Samen gezogen,die recht empfindlich sind und nur acht Tage lang nach der Ernte ihre volleKeimkraft behalten. Saatzeit: November. Die Pflanzen werden niedriggehalten, sind mit dem zweiten Jahre erntefähig und geben in guter Pflege10—20 Jahre hindurch volle Erträge. Der Trockenprozeß darf nur langsamvor sich gehen. Ein kräftiger Strauch gibt bis 5 kg trockener Blätter. DieHauptmengen werden als Genußmittel gebraucht. Schon während derspanischen Herrschaft produzierte Peru jährlich für 2,8 Millionen spanischeTaler Coca (P e c k o 11). Produktionsgebiete sind die peruanischen Pro-vinzen Carabaya, Huanuco, Urubamba, Otuzco, Convencion, sowie diebolivianischen Provinzen Yungas und Larecaja. Exportplätze: Lima(Callao) und Mollendo. Von den Handelssorten werden Bolivia amhöchsten bewertet, dann folgen Huanuco, Cuzco, Huanta, Trujillo. 1909erzielte in Hamburg (100 kg-Preise) Bolivia 240 M, Cuzko 185 M, Trujillo90 M. Verpackimg in Ballen, Bolivia zu 20, Cuzko zu 50, Trujillo zu90 kg. Gesamtproduktion von Peru und Bolivien annähernd 12 bis13 Mill. kg Droge oder 50 Mill. kg frischer Blätter.
Nur gering sind demgegenüber die Exporte. Immerhin waren siefrüher größer, da damals die Alkaloide in Europa, besonders in Deutschland,hergestellt wurden. So kamen in den 80 er Jahren 3—4,5 Mill. kg jährlichnach Europa. Die Ausfuhr von Lima hatte 1899 einen Wert von 347 198 M,1900 einen solchen von 678 876 M. Auch die Zufuhren in Hamburg sind rechtunregelmäßige und fallen dauernd. Hamburg empfing 1902 aus Peru334 200 kg, aus Bolivien 8200 kg und 1906 587400 kg aus Peru und 10 000 kgaus Bolivien. Julius Groß mann schreibt: „in den letzten Jahrendürfte die Einfuhr die Gesamtmenge von 10 000 kg nicht viel über-stiegen haben."
Die Kulturen in Kolumbien, Ecuador, Jamaika, Kamerun undBrasilien sind noch von geringer Bedeutung, die Kulturen in Indien(Mungpoo in Bengal), auf Zeylon und besonders auf Java (Ostjava, Soembar-Sari) nehmen an Bedeutung zu. Man hält dort die Kultur für ebenso lohnend