Druckschrift 
Kurzes Lehrbuch der Nahrungsmittel-Chemie : mit 21 Abb.
Entstehung
Seite
528
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

528

Die Genußmittel.

von 2223 Saccharometergraden (1516°/ 0 Zucker) gebrachte, auf1822° C. abgekühlte Masse wird nun durch Zugabe von aus Darr-oder Grünmalz hergestellter Kunsthefe zur Gärung angestellt; diese ver-läuft meist sehr gleichmäßig und ruhig.

Die Alkoholausbeute beträgt rund 84.5 °L der theoretischen Ausbeute.

Eine unangenehme Erscheinung bei der Vergärung von Melassen-maischen ist die zuweilen auftretende Salpetergärung, bei welcherdurch die Lebenstätigkeit von Spaltpilzen eine Reduktion der Nitrateunter Entwicklung von Stickoxyd eintritt, wodurch die alkoholischeGärung stark unterdrückt wird.

Über die Vergärbarkeit der Melassen siehe noch: Effront, Monit. scientifc1894. 8, 161; Chem.-Ztg. 1894. 18, Eep. 66. A. Bau, Ztschr. f. Spirit.-InO'1894. 17, 366. E. Bauer, Das. 1894. 17, 109.

Süße Früchte (Zwetschen, Kirschen, Heidelbeeren etc.) werdenzerquetscht, in Fässer eingestampft, mit Zucker versetzt und ohne Hete"zusatz der Gärung überlassen. Bei Kirschen und Zwetschen werdendie Steine teils zerdrückt, wodurch etwas Amygdalin in die Maischegelangt, das bei der Gärung Bittermandelöl und Blausäure liefert unddem fertigen Produkte das Aroma verleiht.

Die Destillation wird meist in primitiven Blasenapparaten mit direkterFeuerung vorgenommen. Die erste Destillation gibt den schwachenLutter, bei der zweiten wird der Mittellauf als Primaware getrennaufgefangen.

100 kg Kirschen geben im Mittel 10.2 Liter Kirschgeist von 50 Vol--P r ? 2 ''Zwetschen 8.3 Liter, Heidelbeeren 4 Liter, Himbeeren und Brombeeren 3 '* Li(P. Behrend). Über Slivowitz-Bereitung siehe G. Tietze, Ztschr. f. Sp' rI 'Ind. 1898. 21, 16.

Über Alkoholgewinnung aus selteneren Rohmaterial^siehe M. Märker 1. c. 645.

Destillation. Dieselbe bezweckt die Abscheidung des Alkohols auder vergorenen Maische.

Wenn es sich um die Herstellung von Trinkbranntweinen aus Wej 'Obstwein, Zuckerrohrmelasse etc. handelt, also aus den Rohstoffen "Klasse 1 und 2, so ist die Destillation eine einfache, da es siebdiesem Falle nur um eine Konzentrierung der alkoholischen Flüssig»®'nicht um die völlige Trennung des Alkohols vom Wasser, andererseiauch nicht um die völlige Entfernung jener Fuselöle handelt, > ve ' cdiesen Branntweinen ihren charakteristischen Geschmack und Geruch >leihen, daher sogar dem Branntweine teilweis erhalten bleiben so 1Die Destillation dieser Branntweine geschieht in der Weise, daßMaische in einer Destillierblase erhitzt und die alkoholhaltigen D*" 1,,abgekühlt werden. Das Produkt der ersten Destillation heißtder Lutteer enthält 1020% Alkohol. Der Destillationsrückstand (P flle ?*L!Schlempe) darf keinen Alkohol mehr enthalten. Durch wie tholte Destillation des Lutters bringt man den Branntwein auf die

ver-