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Kurzes Lehrbuch der Nahrungsmittel-Chemie : mit 21 Abb.
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Pflanzliche Nahrungsmittel.

Die Sirupe des Handels sind entweder sorgfältig 1 durch Filtration ge-reinigte Abläufe von Kandisfabriken, Melasseentzuekerungen, Raffinerien, seltenvon Rohzuckerfabriken, oder Gemische dieser Sirupe mit Stärkezuckersirup.

Invertierte reine Raffinade kommt als flüssiger Invertzucker oderflüssige Raffinade in den Handel (Zuckerfabrik Maingau in Hattersheim beiFrankfurt). Solche invertzuckerhaltige' Lösungen finden in der Likörfabrikation,sowie zur Herstellung von Kunsthonig und zum Verschnitt von Naturhonig Ver-wendung, werden außerdem auch zur Weinverbesserung empfohlen.

2. Zucker aus Zuckerrohr. Kolonialzucker.

Der Saft des Zuckerrohres enthält 1222, im Mittel 18°/ 0 Zucker, die Aus-beute beträgt aber nur gegen 7°/ 0 , da etwa '/s <l es Saftes in dem ausgepreßtenRohr zurückbleibt, weitere 5 6°/ 0 bei der Läuterung und in der Melasse ver-loren gehen.

Der aus dem in Rohrmühlen zerkleinerten frisch geschnittenen Rohr 2 durchAuspressen gewonnene Saft wird zur Abscheidung von Sand etc. eine Stundelang stehen gelassen, dann mit Kalkmilch (0.2-0.3 kg Kalk auf 100 Liter Saftlaufgekocht. Pflanzenfasern, Eiwoißstoffo etc. treten hierbei als Schaum an dieOberfläche und werden abgeschöpft. Die von dem Ausgeschiedenen getrennteZuckerlösung wird eingekocht, wobei stets noch Ausscheidungen stattfinden, diebeseitigt werden. Die geklärte Lösung koeht man dann bis zum Auskristallisierenein, läfjt erkalten und die ausgeschiedenen Kristalle in mit Siebböden versehenenGefäßen abtropfen. Der so gewonnene Zucker enthält viel Invertzucker, Karamelund durch Gärung gebildete Ätherarten, besitzt daher einen aromatischen Ge-schmack. Das ausgepreijte Rohr (Bagasse) dient als Heizmaterial, dessen Ascheals Düngemittel.

In neuerer Zeit gewinnt, man den Zucker auch nach der Rübenzucker*fabrikation angepaßten Metboden (Diffusion, Scheidung und Saturation, Ver-dampfen im Vakuum, Ausschleudern etc.), allein auch diesem Verfahren stehengewichtige Hindernisse im Wege (rasches Stumpfwerden der Messer, verminderterBrennwert der stärker entzuckerten Bagasse, dünnere Säfte).

Siehe auch: J. Walter Leather, Die Zusammensetzung des indischenZuckerrohres und Bohrzuckers. Journ. Soc. Chem. Ind. 1898. 17, 202; Ztschr-f. Unters, d. Nähr.- u. Genußin. 1899. 2, 512.

Kandiszucker wurde ursprünglich nur aus Kolonialzucker gewonnen, jetztwird derselbe auch aus Rübenzucker bereitet, die braune Sorte dabei mit Kolonial'sirup oder Couleur gefärbt. Die eingedampfte Zuckerlösung wird in kupferneNäpfe (Pötten) gebracht, deren Wände zum Durchziehen von Fäden mit Löchernversehen sind. Die Pötten bleiben drei Tage bei 60" stehen, dann läßt man ab-kühlen und, nachdem die Kristalldecke durchstoßen ist, den Sirup abfließen. P ,eKristalle werden mit Wasser abgespült.

Die Melasse, der Kolonialsirup mit ca. 50°/ 0 Saccharose schmeck!angenehm (siehe oben) und wird direkt als Genußinittel, in Konditoreien etc.)verwendet, auch auf Spiritus und Ruin verarbeitet.

Siehe noch: Edm. O. von Lippmann, Die Entwicklung der deutschenZuckerindustrie von 18501900. Pestschr. z. 50jähr. Bestände des Vereins dedeutschen Zuckerindustrie. Leipzig 1900.

Über Ransons Verfahren zur Reinigung der Zuckersäfte siehe Ztscbr. Vei-deutsch. Zuckerind. 1898, 211; Ztscbr. f. Unters, d. Nähr.- u. Genußm. 1898.1, 835.

1 Kin vom Verf. analysiertes Produkt enthielt 39.7°/ 0 Invertzucker und33.5°/o Rohrzucker. 2 Wird das geschnittene Rohr nicht sofort verarbeitet, sttritt Verlust (Inversion und Gärung) ein.