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Cultur der Pflanzen unserer höheren Gebirge sowie des hohen Nordens : mit 1 Taf. Abb.
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rigkeiten hinweggekommen, so bleibtendlich noch der letzte und misslichsteUmstand, der die treu gepflegte Pflanzedem sicheren Tode übergiebt, und diesist das Aus frier en. In den Bergendeckt sie den ganzen Winter hindurchdie feste Schneedecke, gegen das Aus-frieren bei Nachtfrösten im Sommer sindsie aber dadurch geschützt, dass sieentweder gemeinsam mit anderen Pflan-zen in einer festen Rasendecke wachsenoder dass sie mit ihren Wurzeln zwi-schen den Spalten und Ritzen der Fel-sen eingeklemmt sind. Im Garten mussman sie in ein lockeres Erdreich, jodeArt für sich pflanzen, denn bis jetzt istmir keine Pflanzenform bekannt, welcheim Garten den kurzen festen Alpenrasenersetzen könnte. Gräser und andere Ra-sen bildende Pflanzen ersticken hier diezarten kleinen Alpenpflänzchen. Im er-sten Frühling und im Spätherbst beiganz geringen Wärmegraden fangen sievon Neuem zu vegetiren an, es kom-men da die Nachtfröste ohne Schnee-decke und diese heben die schönen Pri-meln, Gentianen, Soldanellen etc., wennsie nicht schon einige Jahre im Landestehen und sich hier mit den Wurzelngut befestigt haben, ganz unbarmherzigheraus.

So scheinen der durch die ganz an-deren klimatischen Verhältnisse beding-ten Missstände so viele aufzutreten,dass es den Anschein gewinnt, als seidie Cultur der Mehrzahl der Alpenpflan-zen im freien Lande im Garten nichtmöglich, und alle grossem Sammlungender Art werden daher im Topfe kulti-virt, wo man alle diese Verhältnissemehr in seiner Gewalt hat. Ich willnun zwar nicht sagen, dass ich schonvollkommen über alle diese Misständehinwegkommen, doch aber ist es mirunter Beobachtung der Natur gelungen,

die grosse Mehrzahl derselben trotzdemeiner geregelten und sicheren Cultur zuunterwerfen, wie dies der Abschnitt überCultur zeigen wird. — Nur ein Miss-stand bleibt auch bei der rationellstenCultur und wird sich kaum je beseiti-gen lassen. Dies ist die weniger inten-sive Färbung der Blumen vieler der Al-penbewohner in der Ebene. Die blaueFärbung scheint in dieser Beziehungweniger delikat als die rothe Färbung,die in der Ebene immer blässer wird.Ueberhaupt verändert sich der Pflanzen-teppich beim Aufsteigen in die Bergenicht blos in Bezug auf seine Gestalt,sondern auch in der Färbung seiner Blu-men und im vorherrschenden Tone dieserFärbung. Während tiefer unten die gelbeund weisse Farbe vorherrscht, wird wei-ter hinauf das Weiss reiner und Orange,Blau und Rosa treten viel häufiger auf.Auch in Bezug auf Geruch zeichnensich viele Alpenpflanzen vortheilhaft aus.i Wir erinnern in dieser Beziehung nuran die Achillea moschata, deren Krautjetzt massenhaft zu Parfümerien verwen-det wird. Ferner an Artemisia Mutel-lina, an den lieblichen Geruch der Blu-men mehrerer Primeln, an den durch-dringenden angenehmen Geruch derDaphne striata und anderer. Nach un-serer Erfahrung scheint in dieser Be-ziehung die Cultur in der Ebene keineVeränderung hervorzubringen.

3) Standort und Boden.

Die Pflanzendecke verändert sich je-doch nicht blos nach der Höhe, sondernauch je nach der Localität und Boden.Der Character derselben wird jedochweniger durch die Zahl der verschiede-nen am gleichen Orte auftretenden Ar-ten, sondern vorzüglich durch das mas-senhafte Auftreten einzelner Arten be-dingt. So bedingt das gesellschaftliche