1.2 4.5- Tetraxin-dihydrid-{L 2).
H 2 N-CO-CH:N-N:CH-CO-NIJ 2 -|-4H ä O= 2NII 3 + 2H0,CCH0
H.S.SH,.
1537
(Ivb)
Dihydride vom Typus VI oder VII dagegen liefern keinen freien Stick-stoff, sondern nur Hydrazin, z. B.:
H0 2 C-C<\ J>C-C0 2 H + 4H,0 = 2HO s C.C0 2 H+ 1 2HjN-NH 2
(L)
Aber zwischen VI und VII, die — wie oben bemerkt — vielleichtim Verhältnis der Desmotropie zueinander stehen, zu unterscheiden,gestattet die Hydrolyse nicht. Man nimmt für die in Betracht kommen-den Stoffe heute allgemein Struktur gemäß VI an und stützt sich dabeidarauf, daß sie gleich den Hydrazoverbindungen äußerst leicht — meistschon durch den Luftsauerstoff — zu den entsprechenden Azoverbin-dungen, d. h. den nichthydrierten Tetrazinkörpern, oxydiert werden. Fürdiese Auffassung, die auch durch die Bildung nach Gleichung P (S. 1533)gestützt wird, spricht ferner ihre Tendenz, sich — ähnlich den Hydrazo-verbindungen bei der Semidin-Umlagerung — unter Bildung einer Amino-G-ruppe zu isomerisieren. Diese Umlagerung, im einfachsten Falle:
HC< N —- N >CH
\N(NH 2 K
(M)
führt zu iV-Amino-Derivaten des 1.2.4-Triazols und erfolgt sehr leicht.Auf ihre Wahrscheinlichkeit wurde schon frühzeitig hingewiesen 1 ; abererst 1906 erbrachte Bülow 2 den Nachweis, daß die Isomerisation insolcher Richtung verläuft. Bis dahin wurden viele Stoffe, die nunmehrals A-Amino-Derivate der Triazol-Reihe erkannt sind, irrtümlich alsDihydride der Tetrazin-Reihe formuliert (vgl. S. 597, 613—614, 617.s. auch S. 608).
Dem aus Tetrazin durch Schwefelwasserstoff entstehenden Dihydrid 3(vgl. S. 1534) schreibt man auf Grund seines Verhaltens nach Obigemdie Struktur des 1.2. L 5-Tetrazin-dihydrids-(1.3) — Formel VI,S. 1536 — zu. Es krystallisiert aus Äther oder Benzol in hellgelbenPrismen, ist in Wasser spielend löslich und reagiert schwach sauer. Esschmilzt bei 125—126°, indem es sich teils unter Ammoniak-Entwicke-lung zersetzt, teils zu dem bei 82° schmelzenden A-Amino-triazol (S. 597)umlagert. Schon beim Liegen an der Luft — rasch durch Oxydations-mittel, wie Hydroperoxyd usw. — verwandelt es sich wieder in das roteTetrazin. Bei kurzem Stehen mit verdünnter Schwefelsäure wird es in
1 Jacobson, vgl. Pinner, B. 30, 1875 Anm. (1897).ä B. 39, 2618, 4106 (1906).
3 Cüetius, Darapsky, E. Müller, B. 40, 821, 836, 1184 Anm. (1907).Über ein Homologes s. Cüktius, Darapsky, E. Müller, B. 48, 1622, 1621, 1632(1915).
Meyer-Jacobson, 0rg.Ch.U3. (l.u. 2. Aufl.) 97 (August 1920)