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Einzelne Schicefelfarbsloffe.
gestellt. Von vornherein wird man es für wahrscheinlich halten, daßhierbei sich die Bildung eines Phenthiazin-Komplexes vollzieht, da jadie Bildung des Phenthiazins selbst — des Thiodiphenylamins — soleicht heim Erhitzen von Diphenylamin mit Schwefel erfolgt (vgl. S. 1491).Diese Vermutung findet eine 'wichtige Bestätigung 1 in dem von Gnehmund Kauflee erbrachten Nachweis, daß das aus 4-Dimethylamino-4'-oxy-diphenylamin hergestellte „Immedialreinhlau" (vgl. unten) bei der Be-handlung mitKaliumbromat und Brom wasserstoffsäure ein krystallinischesProdukt C 14 H 3 ON 2 SBr 4 liefert, welches andererseits durch Brotnieren vonMethylenviolett (S. 1501) gewonnen werden kann.
Aber zur Bildung eines „Schwefelfarbstoffs" sind offenbar nochweitere Veränderungen nötig. Wichtig erscheint besonders die Frage,worauf ihre typische Eigenschaft — die Löslichkeit in Schwefelnatrium —beruht. Man führt sie meist auf die Gegenwart von Disuliid-Gruppen,die leicht in Mercapto-Gruppen übergehen, zurück. Ein sicherer Beweisfür diese recht wahrscheinliche Annahme steht indessen noch aus.
Für die blauen Schwefelfarben dienen als Ausgangsstoffe besondersdie Indophenole (vgl. S. 15031 oder die aus ihnen durch Reduktion hervor-gehenden Diphenylamin-Abkömmlinge (Leukindophenole); für ihre Ge-winnung darf die Schwefelung nicht bei Temperaturen vorgenommenwerden, welche 100° erheblich übersteigen. Das hierher gehörige, 1900aufgefundene Immedialreinhlau, das soeben schon erwähnt wurde,war der erste erfolgreiche blaue Schwefelfarbstoff.
Ähnliche Produkte sind z.B. Katigenindigo, Kryogenreinblau, Thion-blauB, Pyrogenindigo, Eklipsblau.
In neuerer Zeit — seit etwa 1910 — haben Farbstoffe große Beachtung ge-funden, die aus Indophenolen der Carbazol-Reihe (vgl. S. 338) durch lange Be-handlung mit hocbgeschwefeltem Alkalipolysulfid in alkoholischer Lösung gewonnenwerden, sich in wäßriger Schwefelnatrium-Lösung kaum noch lösen, leicht dagegendurch alkalische Lösungen von hydroschwefligsaurem Alkali zu gelben Küpen auf-genommen werden. Diese Hydronblau-Marken 2 färben Baumwolle tiefblau undübertreffen an Wasch-, Licht- und Chlor-Echtheit erheblich den Indigo. Sie werdennamentlich für die G-arnfarberei verwendet.
Aus den blauen Schwefeifarbstoffen entstehen durch weitere Schwefe-lung — vielleicht unter Zusammentritt mehrerer Thiodiphenylamin-Komplexe — schwarze Farbstoffe. Die technisch wichtigen schwarzenSchwefel färb stoffe aber werden aus nitrierten Diphenylaminen gewonnenbzw. aus Nitrophenolen, die während der Schwefelschmelze wahr-scheinlich in nitrierte Diphenylamine übergehen; das Alkalisulfid wirkthierbei zunächst als Reduktionsmittel. Das von Kamscher 1897 in der
1 Auch die Bildung blauer Schwefelfarbstoffe in Prozessen, welche — ähnlichder Methylenblau-Gewinnung (s. S. 1496 —1497) — auf Kondensationen von p-Amino-alkylauilin-thiosulfonsäuren beruhen, spricht für die Zugehörigkeit zur Thiazhi-Reibe;vgl: Clayton Anilioe Co., D.E.P. 140 964 (Pbdl. 7, 522). — Bad. Anilin- u. Sodaf.,D.R.P. 167012, 178940, 179225 (Pkdl. 8, 752—759).
2 Vgl.: G. Cohn, „Die Carbazolgruppe" (Leipzig 1919), S. 2, 159ff., 175ff.