1504
Bildung von „Schwefelfarbstoffen".
Gruppe. Und als Chinonmethid-Farbstoffe mit cycliseh gebundener Methid-Gruppe kann man ihnen Farbstoffe der Xanthen Reihe und vielleicht auch solcheder Acridin-Reihe' gegenüberstellen, z.B.:
C 6 H 4 -C0. 2 H
XI)
XII)
Es waren schwefelhaltige Farbstoffe, die uns zu diesen Be-trachtungen Anlaß gaben. Auch an anderen Stellen dieses Lehrbuchshatten wir bereits Gelegenheit, von Farbstoffen zu sprechen, die Schwefelin anderer Form gebunden enthalten, als in Form der Sulfonsäure-Gruppe-SO s H, welche für die Farbstoffnatur nur durch die von ihr be-wirkte Vermehrung der Löslichkeit Bedeutung besitzt. Erinnert sei andas Kanarin (Bd. I, Tl. IT, S. 1307), die Thionaphthen-Farbstoffe (Bd. II,Tl. III, S. 139-142, 318, 322—323) und an die Farbstoffe der Thiazol-Keihe (Bd. II, Tl. III, S. 555—557).
Aber unter die Bezeichnung „Scliwefelfarbstoffe" fallen nachheutigem Gebrauch nicht diese Farbstoffgruppen. Sie wird vielmehreiner außerordentlich reichhaltigen und technisch wichtigen Farbstoff-gruppe vorbehalten, deren Glieder aus Benzol- und Naphthalin-Abkömm--lingen der verschiedensten Art, im Allgemeinen durch Erhitzen mitSchwefelnatrium oder mit Schwefel (oder einem Gemisch vonbeiden), gewonnen werden und die Eigenschaft besitzen, beim Er-wärmen mit Schwefelnatrium-Lösung Färbebäder zu liefern,mit deren Hilfe man ungeheizte Baumwolle unter nachträglicher Oxy-dation an der Luft sehr licht- und waschecht anfärben kann. Ihre Ver-wendung erinnert also an die Küpenfärberei (vgl. S. 299).
Für die Darstellung 9 verwendet man meist Schwefelnatrium und Schwefelin solchem Verhältnis, daß sich das Tetrasulfid Na. 2 S 4 bilden kann. Man pflegt die„Schmelze" bei etwa 130° zu beginnen und bei höherer Temperatur (bei etwa 200°)zu Ende zu führen (vgl. indes S. 1506). Den Rohfarbstoff reinigt man, indem manihn in Schwefelnatrium-Lösung aufnimmt und durch Alkalisalze oder Säuren (zu-weilen auch durch Einleiten von Luft) wieder ausfällt.
Schon anfangs der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurdevon Ceoissant u. Beetonniübj!] durch Erhitzen von Sägespänen mitSchwefel und Schwefelnatrium unter dem Namen „Cachou de Laval"ein Farbstoff fabriziert, der ungeheizte Baumwolle in Schwefelnatrium-Lösung echt anfärbt und übrigens auch heute noch beschränkte Ver-
1 Vgl. dazu Kehrmann, A. 414, 181 (1916).
2 Vgl. O. Lange, Cli. Z. 36, 683, 709, TU (1912).