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Kurzgefasstes Lehrbuch der Chemie : für Mediziner und Pharmazeuten ; organischer Teil
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Stärke.

wurde, in Kupferoxydammoniak löst. Man erhält so dickflüssigeLösungen, dass man sie direkt verspinnen kann. Die aus derDüse tretenden Fäden laufen durch verdünnte Schwefelsäure, dieden Faden gerinnen lässt und Kupfer und Ammoniak aufnimmt.

Das dritte Verfahren der Kunstseidefabrikation ist dasViskoseverfahren. Behandelt man Cellulose mit Natronlauge undSchwefelkohlenstoff, so addieren sich beide Stoffe an das Cel-lulosemolekül und es entsteht das Natriumsalz der Cellulose-xanthogensäure als ein schleimig-klebriger Syrup, der deshalbViskose genannt wird. Beim Verspinnen erhält man, indem mandie Fäden in warme Ammoniumsulfatlösung eintreten lässt, zu-nächst noch aus Cellulosexanthogenat bestehende Fäden, dieaber beim Trocknen und dem nachfolgenden Behandeln mitChemikalien und Bleichmitteln Schwefelkohlenstoff und Alkaliabspalten und Cellulose regenerieren.

Wird Cellulose mit Essigsäureanhydrid bei Gegenwart vonkonzentrierter Schwefelsäure ganz gelinde erwärmt, so liefert sieCelluloseacetate. Acetylcellulose ist ein amorpher glasartig durch-sichtiger Stoff, der beste bekannte elektrische Isolator. MitPhenol zusammengeschmolzen, liefert sie eine celluloidartigeMasse. Acetylcellulose kann auch versponnen und dann gefärbtwerden und liefert Kunstseide, welche ausserordentlich fest undgegen Feuchtigkeit unempfindlich ist.

Stärke, (C 6 H 10 O 5 ).

Stärke ist in allen assimilierenden Pflanzen enthalten, sieentsteht in den Cblorophyllkörnern aus der von den Pflanzenaufgenommenen Kohlensäure. Von ihrer Bildungsstätte, denBlättern, kann die Stärke in Reservebehälter wandern und wirfinden sie dann z. B. in Wurzeln und Knollen (Wurzelstöckcvon Maranta arundinacea, Knollen von Jatropha Manihot, Kar-toffeln), in den Samen und Früchten (Cercalien, Kastanien) oderim Innern des Stammes (Palmenmark). Je nach der Pflanzenartzeigen die Körner, aus denen die Stärke besteht, verschiedeneGrösse und Gestalt.

Stärke ist in kaltem Wasser fast unlöslich, mit heissefflWasser bildet sie Kleister, dessen schleimige, filtrierbare Lösungdas polarisierte Licht rechts ablenkt. Der dabei gelöste Teüider mit Alkohol wieder gefällt werden kann, heisst Granulöse,das unlösliche Stärkecellulose. Durch längeres Kochen mitWasser, durch halbstündiges Erhitzen mit Glyzerin auf 19^oder durch Behandeln mit Wasserstoffsuperoxyd wird die Stärkein lösliche Stärke, Amylogen, übergeführt.