Druckschrift 
Kurzgefasstes Lehrbuch der Chemie : für Mediziner und Pharmazeuten ; organischer Teil
Entstehung
Seite
297
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Blausäure.

297

Cyanwasserstoff, Blausäure, Formonitril, H-C=N.

Molekulargewicht = 27,05.

Geschichtliches. Cyanwasserstoff wurde 1782 von Scheele entdeck!und wegen der Fähigkeit die Berlinerblaureaktion zu liefern, mit dem NamenAcidum berolinense belegt. Im wasserfreien Zustande wurde er 1811 vonGay-Lussac gewonnen.

Freie Blausäure findet sich in manchen javanischen Pflanzen,z. B. in den Fruchtkolben von Lasia zollingeri und Cystosperma'Merkurii, bei dieser auch in den Blättern, bei Pangium edule inder ganzen Pflanze. Auch Hydnocarpus imbrianus und aHpinusenthalten freie Blausäure. Der Tausendfüssler Fontaria gracüissoll, wenn er gereizt wird, Blausäure aus seinen Hautdrüsenausscheiden. Blausäure ist ein Spaltungsprodukt des in vielenPflanzen (bittere Mandeln, Kirschlorbeerblätter) vorkommendenGlykosids Am.ygdalin.

Blausäure entsteht heim Durchschlagen elektrischer Funkendurch ein Gemisch von Acetylen und Stickstoff oder heim Er-hitzen des Gemisches im elektrischen Ofen, sowie aus Cyan undWasserstoff unter dem Einfluss der dunklen elektrischen Ent-ladung. Seine Bildung aus Chloroform und Ammoniak beimErhitzen unter Druck ist beweisend für die Konstitution derBlausäure:

H_CsCl 3Chloroform

4X11.,

3NILC1 +

H_C=NBlausäure.

Blausäure kann durch Destillation von Ferrocyankaliummit verdünnter Schwefelsäure dargestellt werden:

2Fe(CN) a K 4 + 6S0 4 H 2 = Fe(CN) e FeK, + GS0 4 HK + 6HCNFerrocyankalium Kaliumferroeisencyanür Blausäure.

Da aber das hei der Reaktion als schweres weisses Pulverausscheidende Kaliumferroeisencyanür leicht Stosseu veranlasst,so verfährt man bequemer so, dass man in einem Fraktions-kolben 50°/ 0 ige Schwefelsäure auf dem Wasserbade erwärmtu "d wässrige Cyankaliumlösung eintropfen lässt:

S0 4 H 3 + KCN = S0 4 HK + HCNSchwefelsäure Cyankalium Blausäure.

Die übergehende Blausäure wird in vorgelegtem Wasseraufgefangen. Aus wasserhaltiger Blausäure kann die wasser-freie durch Destillation über Chlorcalcium oder Phosphorpentoxydgewonnen werden. Wegen der grossen Giftigkeit der Blausäuresind diese Operationen in gut ventilierten Räumen und mit grössterVorsicht vorzunehmen.