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Blausäure.
Der wasserfreie Cyanwasserstoff ist eine farblose, ausser-ordentlich giftige, bittermandclartig riechende Flüssigkeit, welchebei 18° das spez. Gewicht 0,697 besitzt, bei —15° krystallinischerstarrt und bei +26,5° siedet.
Beim Aufbewahren von Blausäurelösungen entsteht Am-moniumformiat, eine Reaktion, deren Eintritt durch die Gegen-wart von Spuren Mineralsäure verzögert wird.
Umgekehrt bilden wasserentziehende Agentien, wie Phosphor-pentoxyd, aus Ammoniumformiat Blausäure:
HCOONH 4 = 2H 2 0 + HCNAmmoniumformiat Blausäure.
Die Blausäure ist demnach das Nitril der Ameisensäure.Durch naszierenden Wasserstoff wird die Blausäure zu Me-thylamin reduziert:
HCN + 4H — CHg.NHjBlausäure Methylamin.
Ueber das Verhalten der Blausäure zu Aldehyden und Ke-tonen s. S. 99 und 116.
Blausäure und ihre löslichen Salze erzeugen in Silbernitrat-lösung einen weissen, käsigen Niederschlag von Cyansilber, AgCN,unlöslich in Wasser und verdünnter Salpetersäure, löslich in Am-moniak, Natriumthiosulfat und Überschüssigem Cyankalium:
HCN + NO s Ag- = N0 3 H + AgCNAgCN + KCN = Ag(CN) g KCyansilber Cyankalium Kaliumsilbercyanid.
Versetzt man eine blausäurehaltige Flüssigkeit mit über-schüssiger Kalilauge, dann mit Ferrosulfat und wenig Ferri-chlorid, so bildet sich Ferrocyankalium, und es scheidet sich einschmutzig grünes oder braunes Gemenge von Ferro- und Ferri-hydroxyd aus. Uebersättigt man nun mit Salzsäure, so gehendie Eisenhydroxyde in Lösung und das Ferrichlorid erzeug! mitdem Ferrocyankalium Berlinerblau:
6 KCN
Cyankalium
SOiFe
3Fe(CN) fi K 4 + 4FeCl 3Ferrocyankalium Ferrichlorid
S0 4 K 2 + Fe(CN),K 4
ferrocyankalium.
12 KCl + [Fe(CN) fl ] s Fe 4Berlinerblau.
Neutralisiert man die blausäurehaltige Flüssigkeit mit Na-tronlauge und dampft sie mit einigen Tropfen gelbem Schwefel-ammonium auf dem Wasserbade bis fast zur Trockne, so ent-hält dieselbe Khodannatrium, färbt sich also mit Salzsäure undFerrichlorid blutrot: