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Kurzgefasstes Lehrbuch der Chemie : für Mediziner und Pharmazeuten ; organischer Teil
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Fumarsäure, Maleinsäure.

Fumarsäure und Maleinsäure lassen sich leicht ineinanderüberführen. Fumarsäure liefert beim Erhitzen für sich oder mitPhosphoroxychlorid Maleinsäureanhydrid.

Maleinsäure geht beim Erhitzen für sich im geschlossenenRohr auf 200°, bei gewöhnlicher Temperatur unter dem Einflussvon Salzsäure, Bromwasserstoffsäure und anderen Säuren inFumarsäure über. Löst man 2 gr Maleinsäure in 5 cc Wasser,fügt ein wenig Bromwasser zu und setzt die Lösung dem direktenSonnenlicht aus, so krystallisiert innerhalb weniger MinutenFumarsäure heraus. Eine bündige Erklärung dieser Umwandlungs-reaktion ist nicht bekannt.

Bei der Elektrolyse ihrer Alkalisalze liefern Malein- undFumarsäure Acetylen. Mit naszierendem Wasserstoff liefern beideBernsteinsäure, durch Wasseraufnahme gehen sie in inaktive Aepfel-säure über. Sie unterscheiden sich voneinander in ihrem Ver-halten gegen Brom und gegen Permanganat. Mit Brom liefertFumarsäure Dibrombernnteinsäure, Maleinsäure Isodibrombernstein-säure, bei der Oxydation mit Permanganat entsteht aus Fumar-säure Traubensäure, aus Maleinsäure Mesoweinsäure.

Fumarsäure und Maleinsäure besitzen, trotz gleicher em-pirischer Formel, gleicher Struktur und gleicher Molekulargrösse,verschiedene Verbrennungswärmen, sie haben also einen ver-schiedenen Energieinhalt in ihrem Molekül. Für diesen Fall derIsomerie schlug Kling er den Namen Alloergatie vor. Im übrigenlassen sich die Reaktionen der Fumarsäure und Maleinsäuredurch die Annahme erklären, dass die beiden Säuren stereo-isomer sind.

Wenn zwei Kohlenstoffatome mit einfacher Bindung anein-ander geheftet sind, so wird man annehmen können, dass sieum diese Afflnitätsaxe frei drehen können, wir werden also z. B.die Existenz zweier Bernsteinsäuren:

H 2 C.COOH H 2 C.COOH

undH 3 C.COOH (COOH).CH 2

nicht zu erwarten haben.

Sind aber die beiden Kohlenstoffatöme mit zwei Valenzenaneinander gebunden, so wird die freie Drehbarkeit aufgehobenund es entsteht die Isomerie durch Doppelbindung:H.C.COOH H.C.COOH

(COOH).C.HFumarsäure

H.C.COOHMaleinsäure.

Es liegt auf der Hand, dass zwei derartig konstituierteSäuren bei der Kohlensäureabspaltung Acetylen, bei der Wasser-