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Anorganische Chemie
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Periodisches System der Elemente.

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gebracht und dadurch der Möglichkeit seiner deductiven Behandlungwesentlich genähert.

Wenn es schon ein grosser Vortheil des periodischen Systems ist,dass sich in ihm die älteren, manchmal anscheinend unversöhnlichenAnsichten in überraschend einfacher Weise verschmolzen finden, so istihm als ein weiteres, kaum geringeres Verdienst anzurechnen, dass esden bereits vorhandenen Probleme neue von nicht geringerer Tragweite

Grade gelöst hat.

beigefügt und bereits bis zu einem

Während man früher ebenso viele Arten von Materie annehmenmusste, als man chemische Elemente kannte, und das Atomgewichtdaher als das Ergebniss unbekannter, vielleicht zufälliger Ursachen er-schien, bietet das periodische System eine scharfe Controle für dieRichtigkeit der Atomgewichtsbestimmungen, ungleich zuverlässiger wiedie oben besprochenen älteren Hilfsmittel der Lampfdichtebestimmung,der Wärmecapacität und des Isomorphismus. Steht ein Element imSystem in Folge seines Atomgewichts nicht an derjenigen Stelle, an diees durch sein gesammtes chemisches und physikalisches Verhalten gewiesenwird, so liegt damit ein hinlänglicher Grund vor, die Genauigkeit seinerAtomgewiclitsbrslimnuing zu bezweifeln und dieselbe einer erneutenPrüfung zu unterziehen. Thatsächlich hat man derart eine Reihe vonälteren Atomgewichten ändern müssen: Beryllium altes Atomgewicht13'6 — neues 9'05; Indium früher 75'6—jetzt 114'0; Uran früher120 —jetzt 239-4; Tellur früher 128 — jetzt 125"3 u. s. w.

Von weiteren neuen Problemen, wie sie das periodische Systemgestellt hat, sei hier nur die Voraussagung noch unbekannter Elementeerwälint; dieselbe wurde zuerst von Mendelejeff 1869 auf Grund derdamals im System vorhandenen Lücken ausgeführt. Es darf als einglänzender Erfolg des chemischen Wissens bezeichnet werden, dass dreiderartige Lücken genau der Erwartung entsprechend durch die Auf-findung des Galliums (1875), Scan diu ms (1879) und Germa-niums (1885) ausgefüllt worden sind. Weit weniger vollständig ist diefolgende grosse Periode 5, in welcher die zum Theil noch nicht reindargestellten und noch nicht genügend untersuchten Elemente, wieDidym, Samarium und Erbium, ferner Terbium, Philippium, Deci-pium, Holmium, Thulium etc. nach ausreichender Individualisirungihren Platz finden werden.

Neuerdings wird auch die Aufrahme der neu beobachteten indif-ferenten Gase, des Argons und Heliums in das System discutirt;Während die anfänglichen Zweifel an deren elementarer Natur — abge-sehen von der wahrscheinlich complexen Beschaffenheit des Heliums —bedeutend geringer geworden sind, herrscht aber noch völlige Unsicherheitüber die Grösse ihres Atomgewichts.

Wohl darf man es als einen Hauptvorzug des periodischen Systemsbetrachten, dass es zwar alle seine Vorgänger umfasst oder berücksich-tigt, aber dabei anspruchsloser auftritt, als jeder einzelne derselben.Dabei lässt es die weitesten Ausblicke thun und legt mehr neue Fragenund Probleme vor, als dieses bei irgend einer der älteren Theorieender Fall war.

Krafft, Anorganische Chemie, 3. Aufl. 9