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Versuchslaboratorien gespeist wird, deren Chemiker ihre gediegene Durch-bildung dem akademischen Unterricht der Universitätsinstitute zu dankeahaben. Welche Summen hat allein die Herstellung des künstlichen IndigosDeutschland eingebracht! Von neueren Entdeckungen, deren Tragweitesich zur Zeit noch nicht übersehen läßt, ganz zu schweigen!
Und was für die chemische Industrie gesagt wurde, gilt auch fürso viele andere. Wirklich bahnbrechende Erfindungen werden ja heut-zutage nur ganz ausnahmsweise einmal durch Zufall und bloße Routinegemacht, sie pflegen vielmehr das Ergebnis mühevoller wissenschaftlicherForschung zu sein: Ja, oft genug bleiben dem, der von vornherein nurauf die nützliche Verwendbarkeit seiner Untersuchungen hinarbeitet, diepraktischen Erfolge versagt, während sie einem anderen, rein wissenschaft-lich tätigen Forscher ganz von selbst als logische Folgerungen seinerTheorien in den Schoß fallen. Freilich heimst dann oft genug nicht dergeniale Entdecker, sondern ein Weltklügerer und Geschäftskundigerer diegoldenen Früchte ein!
Aber, meine Herren, wir dürfen es uns nicht verhehlen,daß die deutsche Wissenschaft gegenwärtig in ihren Grund-festen bedroht ist!
An originellen Köpfen wird es uns in Deutschland nicht fehlen.Aber viele, durch ihre' Anlagen dazu berufene, werden nicht studierenkönnen, sondern sich einträglicheren Berufen zuwenden müssen; somanche unserer uralten Gelehrtenfamilien wird keinen wissenschaftlichenNachwuchs liefern können! Sie, meine Herren Studierenden, wissen esja am besten, daß zum akademischen Studium nicht nur Begabung undwissenschaftliche Begeisterung gehören, sondern leider auch eine gespickteBrieftasche!
Und nicht nur der Student ist heute bei uns in schwerster Sorge,wie er sich durchschlagen soll, sondern dasselbe gilt fast ausnahmslos füralle unsere wissenschaftlichen Staatsinstitute. Vor einiger Zeit(1920) äußerte auf einem Kongresse der angesehenste nordamerikanischeHygieniker, Professor Dr. Flexner: „Die deutsche Wissenschaft sei zwarin den letzten 50 Jahren zweifellos die führende in der Welt gewesen,das verarmte Deutschland werde aber nicht in der Lage sein, diese Vor-machtstellung zu behaupten, und daher sei es jetzt an der Zeit, daß Nord-amerika das Erbe anträte."
Meine Herren, das ist freilich ein sehr offenes Wort und ein rechtstolzes Programm. Aber angesichts der Erfolge der Nordamerikaner,wenigstens auf Flexners Spezialgebiete der Hygiene, ist es keineswegsnur eine leere Phrase oder der Ausdruck anmaßlicher Ueberhebung. Icherinnere an die hygienischen Leistungen am Panamakanal und an dieweltumfassende Organisation der Rockefeiler Foundation, die sogarvon Frankreich herbeigerufen wurde, um im Vaterlande eines Pasteurdie Tuberkulosebekämpfung nach amerikanischem Muster zu organisieren!Auch das medizinische Studium ist an den führenden der nord-amerikanischen Universitäten dem unseren ebenbürtig geworden; die Ver-hältnisse liegen nicht mehr wie vor 20 und 30 Jahren, wo Scharen vonnordamerikanischen Aerzten, um in ihrer Heimat als wissenschaftlich „voll"
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