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Der Wiederaufbau und die deutsche Wissenschaft : Festrede, geh. bei der Feier der Hamburgischen Universität zur Erinnerung an die Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1923
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haftes geleistet hätte: Darum würde es auch durchaus kein Schaden fürdie Menschheit sein, wenn man ein so barbarisches und niedrigstehendesVolk von den internationalen wissenschaftlichen Kongressen ausschlösseund die Namen seiner Angehörigen aus den Mitgliederlisten der dortigengelehrten Gesellschaften lösche.

Meine Herren! Wennschon sich unter denen, die jene von blindemHaß in einer Art vonKriegspsychose" eingegebenen Beschlüsse durch-gesetzt haben, auch leider namhafte Forscher befinden, so wissen wirdoch heute schon, daß keineswegs alle Gelehrten jener Länder sogedacht haben, und daß man sich dieser Beschlüsse jetzt offenbar viel-fach schämt.

Denn wer kann es sich verhehlen, daß die Wissenschaft als Gemeingutder ganzen Menschheit über aller Politik stehen muß, und daß sie ohnegegenseitigen Ideenaustausch zwischen allen Kulturvölkern nicht gedeihenkann? Man kann die Mitarbeit der deutschen Wissenschaft nichtentbehren, ebenso wie wir unsererseits die der anderen Völkerbrauchen!

Auch fühlt man, daß wir, die so schwer Gekränkten, die zerrissenenFäden nicht von uns aus wieder anknüpfen können; aber in zahl-reichen Fällen kommt man uns jetzt in durchaus korrekter Weise ent-gegen, und schmollend die gebotene Hand zurückstoßen, hieße sichunsererseits des Vorwurfs schuldig machen, Chauvinismus indie Wissenschaft zu mengen! Freilich wäre es andererseits ebensounangebracht, die gereichte Hand nun mit allzu überschwänglicher Herz-lichkeit zu drücken, und der selbst so nationalstolze Engländer und Nord-amerikaner z. B wird unseren Standpunkt auch durchaus verstehen!

Tatsache ist, daß man beginnt, uns wie früher zur Teilnahme aninternationalen Kongressen aufzufordern, daß auswärtige Gelehrte sogarFranzosen sind darunter anfangen, uns in alter Weise ihre Veröffent-lichungen zu senden, daß von japanischer Seite Sympathiekundgebungenfür die deutsche Wissenschaft (der allerdings ja gerade Japan soviel ver-dankt!) stattfinden und deutsche Forschungsinstitute mit namhaften Summenvon dort aus bedacht werden. Vor allem aber sind von Nordamerikaunter Betonung des internationalen Charakters der Wissenschaft Hilfs-aktionen für die infolge unserer wirtschaftlichen Lage so schwer bedrohtendeutschen und österreichischen wissenschaftlichen Anstalten im Gange.Erwähnt sei nur, daß die medizinischen Fakultäten von Wien, Innsbruckund Graz durch die großen Spenden (60000 I) derRockefeller Foundation"in den Stand gesetzt sind, ihre Betriebe aufrechtzuerhalten.

Daß auch das neutrale Ausland der deutschen Wissenschaft und derdeutschen Studierenden hilfreich gedenkt, wissen wir ja alle. Wir werdenihnen diese Hilfe in der Not nicht vergessen!

Der deutschen Wissenschaft wird also auch von Seiten der Feind-bundländer wieder mehr und mehr der Rang eingeräumt, der ihr vonRechts wegen gebührt. Und wenn auch das Versagen dieser Anerkennungsie in ihrem Werte nicht schmälern könnte, so ist diese Anerkennungdoch auch abgesehen von dem oben Mitgeteilten immerhin schon aushandelspolitischen Gründen erfreulich. Denn wenn die deutsche Wissen-schaft in Verruf getan wird, die deutschen Bücher und Zeitschriften nicht