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Vortäuschung von Krankheiten
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so beweist dies allerdings nichts. Sieht er sie, so hater sie mit dem angeblich blinden Auge wahrgenommen;und man kann nun, wenn man gewisse Buchstaben lesenlässt, vielleicht noch die Sehschärfe des vorgeblich krankenAuges feststellen (Kugel).

Oft ist das Verfahren von Erfolg: das gesunde Augemit einem Convexglase mittler Brennweite zu bewaffnenund nun in allmälig wachsender Entfernung lesen zu lassen.Was über den auf diese Weise künstlich herangerücktenFernpunkt des gesunden Auges hinaus gelesen wird, istnur mit dem angeblich blinden Auge gelesen worden.(Alfred Gräfe).

Auf die Brennweite des Convexglases kommt es nichtwesentlich an. Alfred Gräfe empfiehlt ein solches von6 Dioptrieen, Michel in Würzburg ein solches von 8bis io, Harlan in Philadelphia ein solches von 12,Dujardin in Lille ein solches von 16, Vossius inGiessen ein solches von 18 bis 20 Dioptrieen.

Baroffio's Vorschlag von 1887 geht dahin, vor dasangeblich blinde Auge ein Planglas und vor das gesundeabwechselnd ein Convex- oder ein Concavglas von 3 bis4 Dioptrieen zu halten. Wenn nun der Mann mit demConvexglas in die Ferne, aber auch mit dem Concavglasin der Nähe deutlich zu sehen behauptet, so kann sichdiese Behauptung nicht bloss auf das gesunde Auge be-ziehen.

Ferner ist empfohlen worden, dem Prüfling vor dasangeblich blinde Auge ein farbloses Glas und vor dasgesunde ein grünes Planglas zu setzen und ihn nunrothe Schrift auf schwarzem Grunde lesen zu lassen.Liest er die rothe Schrift, so, hat num geschlossen, kanner sie nur mit dem vorgeblich blinden Auge gelesenhaben. Leider ist dieser sinnige Versuch wenig verläss-lich, da roth und grau sich thatsächlich nicht so völligergänzen, dass sich die rothe Schrift nicht noch vomschwarzen Grunde etwas abheben könnte.