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Aehnlich einfach ist das Verfahren, gegen das an-geblich blinde Auge mit einem spitzen Instrument zufahren. Nur der wirklich Blinde wird hierbei nichtblinzeln und nicht ausweichen. Freilich kann es auchder Nichtblinde mit starkem Willen soweit bringen, dasser sich diesem Verfahren gegenüber wie ein Blinderverhält.
Stellt man Sehproben in den Dienst der Entlarvung,so pflegt man das angeblich gesunde Auge, aus demoben angegebenen Grunde, vom Sehacte nicht auszu-schliessen.
Unter dieser Voraussetzung lassen sich folgende Ver-suche anstellen: Wird eines der Augen durch Fingerdruckmechanisch verschoben, so entstehen leicht Doppelbilder;deren Anerkennung seitens des Prüflings spricht gegendas Vorhandensein einseitiger Blindheit (W arlomont,Boisseau).
Wenn vor den geradeaus gerichteten Augen des Unter-suchten eine Kerzenflamme von der Seite des gesundenAuges her allmälig nach der andern Seite hinbewegt wird,so darf die Flamme, sobald sie durch den Nasenrückendem gesunden Auge verdeckt wird, bei einseitiger Blind-heit nicht mehr gesehen werden; geschieht es dennoch,so ist Blindheit nicht vorhanden (Cuignet).
Javal hat 1867 folgendes, später von Cuignet,Perrin, Barthelemy, Martin und Driver gemodeltes,Verfahren angegeben: An einer Wand hangen 2 (Snellen-sche) Lesetabellen in gleicher Höhe und etwa 12 cmvon einander entfernt. Beide zugleich geöffnete undnöthigenfalls corrigirte Augen haben nun beide Tabellenherunter zu lesen. Hierauf wird in Abwesenheit desPrüflings ein Längs - Diaphragma, z. B. ein etwa 4 cmbreites Lineal, ungefähr 1 m von der Wand entfernt —die nöthige Breite und Entfernung des Lineals ist mitden ärztlichen Augen zu finden — senkrecht so auf-gestellt, dass es die rechte Tabelle für das linke Augeund die linke Tabelle für das rechte Auge verdeckt.