Druckschrift 
Vortäuschung von Krankheiten
Entstehung
Seite
25
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

25

In der früheren Zeit war die Vortäuschung von Seh-störungen an der Tagesordnung, namentlich im Militär,wo man bestimmte Anforderungen an die Sehkraft stellenmuss. Aber auch hier ist seit der grösseren patho-gnostischen Zugängigkeit der Sehstörungen, besonders seitder Erfindung des Augenspiegels, der Betrug auf engeGrenzen eingeschränkt worden. Ja es kommt selten einSpiegelfechter vor, der über Sehstörungen klagt, ohneüberhaupt an einer solchen zu leiden. Gewöhnlich wirdeine solche, wenn auch geringen und belanglosen Grades,gefunden, so dass sich mehr von einer Uebertreibungals von einer Spiegelfechterei im schlimmsten Sinne desWortes sprechen lässt.

Bei sehr versteckten und verwickelten Sehstörungenist der praktische Arzt, der sich nicht besonders mit derAugenheilkunde beschäftigt hat, nicht in der Lage, dieUntersuchung soweit zu führen, dass er ein sicheres, end-gültiges Urtheil gewinnt; und er muss dann den Beiratheines Specialisten beanspruchen. Gleichwohl sind diemeisten Aerzte wenigstens zu einer Voruntersuchung derAugen befähigt, die so viel an die Hand giebt, dass esklar wird, ob es sich um ein einfaches Leiden, etwa umeinen blossen Brechungsfehler handelt, oder ob eine tiefereoder überhaupt eine ohne Augenspiegel nicht zu ent-hüllende Augenkrankheit vorliegt.

Am häufigsten wohl stellen sich Leute mit Brechungs-fehlern vor, die einer Brille bedürfen. Auch diesengegenüber wird der Arzt in der Regel eine Vorunter-suchung vornehmen, zumal wenn die Erlangung einesAugenarztes, wie z. B. auf dem Lande, oder auf demRekrutirungsplatze etc. nicht gut möglich ist. Hier, aufdem Rekrutirungsplatze, muss das Ergebniss der Vorunter-suchung sogar die Grundlage für die Entscheidung überTauglichkeit oder Untauglichkeit des Militärpflichtigenbieten.

Mit Rücksicht hierauf haben die Augenärzte fürsolche Voruntersuchungen auf Brechungsfehler oder über-