I!
— 23 —
reize unterscheidet, nachgegangen werden soll. Wie fürdiese Wissenschaft, so ist es auch für die Einzelunter-suchung Aufgabe, den Mindest reiz festzustellen, bei demdie eine oder andere Empfindung anfängt. Es ist alsowohl ein nicht ganz zutreffender Ausdruck, den die Physio-logie gebraucht, wenn sie meint, „Empfindungs- Minima"feststellen zu wollen.- Denn, eine Empfindung, die durchden kleinstmöglichen Reiz erzeugt wird, ist doch nichtdie geringste Empfindung, die Mindestempfindung,sondern eine überaus gute Empfindung, eine Höchst-empfindung. Nimmt man freilich mit der Physiologiean, dass die Empfindung im grossen Ganzen der Reiz-grösse proportional sei, so wird auch der Mindestreiznur die Mindestempfindung anregen.
Der geringste Druckreiz, der Mindestdruck, der eineEmpfindung erzeugt, oder, wie die jetzige Physiologiewill: das Empfindungsminimum des Drucksinns, wird be-stimmt durch das Auflegen von verschieden schwerenGewichten auf eine und dieselbe Hautstelle, so dass manmit den kleinsten Gewichten beginnt. Zur Vereinfachungdieser Untersuchung ist das Bariisthesiometer oder derDruckmesser, eine Spiralfeder, die der Untersuchendezusammendrückt, worauf ein mit der Feder zusammen-hängender Zeiger, der an einem Zifferblatte läuft, dasGewicht anzeigt, von Eulenburg angegeben worden(Abbildung im 2. Bande der 2. Aufl. der Real-Encyclo-pädie der gesammten Heilkunde). Dass indess diesesInstrument einen Mindestdruckreiz, eine Mindestempfindung,messen könne, obwohl es selbst schon mit einem Druckeauf der Haut lastet, der den festzustellenden Mindest-druck weit übersteigt, ist mir unverständlich. Eine An-zahl von kleinen Normalgewichten mit gleichen Grund-flächen und aus schlechten Wärmeleitern gefertigt, scheintmir einfacher und sicherer dem Untersuchungszweckedienen zu können.
Schon aus diesen Bemerkungen über die Aufsuchungdes empfindbaren Mindest-Druckreizes geht hervor, dass