geleitet werden und mit allen von der Wissenschaft ge-währten Mitteln vollführt werden. Nichts darf so belang-los erscheinen, dass es unbeachtet bleiben könnte, unddas Ergebniss der Erhebungen muss zur Ermöglichungspäterer Vergleichung schriftlich festgelegt werden.
Schon bei der einleitenden Ausfragung zeigt sich derPrüfling oft unklar und wird, zumal im Kreuzverhör, beiwiederholtem Zurückkommen auf einzelne Puncte vonseiner Gedächtnissschwäche verrathen. Die Frage nachden einzelnen Krankheitserscheinungen wird gewöhnlichunsicher und widerspruchsvoll, die nach widersinnigenund unmöglichen Krankheitszeichen bejahend und über-treibend beantwortet.
Die Fortsetzung der Untersuchung hat die begleitendenUmstände auszuforschen, unter denen sich die Entstehungder Krankheit angeblich vollzogen hat. Bei diesem Hin-übergreifen in das Vorleben des Prüflings erhält der Arztnicht selten Anhaltspuncte für die Annahme einer Krank-heitsvortäuschung. Arbeitsscheu, Pflichtvergessenheit undunordentlicher Lebenswandel finden sich oft im Spiegel-fechter vereinigt, und wenn er nachweislich fähig ist, seineMitmenschen zu betrügen, so nimmt er auch einmalleichten Herzens eine Krankheitsvorspiegelung auf seineRechnung.
Der Haupttheil der Untersuchung besteht in der physio-gnostischen und pathognostischen Feststellung aller Körper-eigenschaften und etwaigen Krankheitserscheinungen. Einebreite und tiefe Unterlage objectiver Untersuchungsergeb-nisse ist ein mächtiger Hort hier für die Verurtheilung,dort für die Ehrenrettung des Untersuchten; und auf dieselbst geringfügigsten Abweichungen von der Regel mussgegenüber der Vorspiegelungsfrage ein besonderes Gewichtgelegt werden — auf sie, die sonst leicht unterschätzt zuwerden pflegen.
Die Untersuchung der nach den bisherigen Erhebungenverdächtig Erscheinenden darf nicht beendet werden, ohnedass noch die Umgebung des Kranken (seine Wohnung,